Verborgene Parameter enden im Nirgendwo


Verborgene Parameter enden im Nirgendwo. So könnte man ein Ergebnis der Quantenphysik im 21. Jahrhundert titulieren, das sich von Albert Einsteins Vorstellungen immer mehr entfernt hat.

Rob Kenius | TELEPOLIS

Grafik: TP

Vor mehr als hundert Jahren wurde damit begonnen, Atome und ihre Bauteile, sowie das Licht mit den Methoden der Quantenphysik zu beschreiben. Die Erkenntnisse aus den Experimenten standen im Widerspruch zur klassischen Physik. Es sollte nicht mehr alles einen Grund haben. Man beobachtet zufällige Ereignisse, die nur statistisch beschrieben werden können. Das einzelne Ereignis ist nicht vorhersehbar und es ist nicht vorher zu berechnen, ob und wann es stattfindet.

Radioaktive Kerne können ohne ersichtlichen Grund zerfallen, mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit, die man so angibt, dass man sagt, in welcher Zeit die Hälfte der Kerne zerfällt. Das ist die sogenannte Halbwertszeit, eine statistische Größe. Über den Zerfall eines einzelnen Atoms lässt sich keine Vorhersage machen.

Solche Erkenntnisse standen auch im Widerspruch zur allgemein gültigen Logik. Es war nicht abwegig zu vermuten, dass die klassische Logik trotzdem richtig ist und dass ein Grund für den spontanen Zerfall eines Atoms existiert, ein sogenannter verborgener Parameter. Albert Einstein war ein Anhänger dieser Denkweise und er formulierte seinen Zweifel an der Zufälligkeit so:

Gott würfelt nicht

Der Satz ist kein Beweis dafür, dass Einstein an Gott geglaubt hat, er wollte sagen: In der physikalischen Welt gibt es kein Ereignis, das dem Zufall überlassen ist. Es gibt kein Experiment, dessen Ergebnis ohne Grund so oder genau umgekehrt ausfallen kann. Diese Ansicht hat sich als falsch herausgestellt, doch sie ist auf der Welt unter denkenden Menschen auch im Jahre 2020 noch weit verbreitet.

Mit Albert Einstein als Leitfigur haben Legionen von Wissenschaftlern, Pseudowissenschaftlern, Logikern und Philosophinnen nach verborgenen Parametern gesucht. Dass sie keine gefunden haben, ist noch kein Beweis, dass es sie nicht gibt. Es ist generell äußerst schwer zu beweisen, dass es irgendetwas nicht gibt.

Erfolgreicher, als nach verborgenen Parametern zu suchen, ist es, die Dinge, deren Existenz nicht bewiesen ist, nicht zu berücksichtigen und sie gewollt oder ungewollt zu vergessen.

Genau das taten viele Physiker. Sie suchten nicht nach den verborgenen Parametern, sondern sie änderten ihr Denken und passten es der neuen Realität von Photonen, Elektronen, Protonen und Neutronen an. Sie lernten das Denken in Quanten und in Zufällen aus der atomaren Erfahrung, wie es die Physik seit Galileo Galilei vorschreibt:

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