Es wird keinen zweiten großen Lockdown geben


Frankreich: Macron warnt vor beträchtlichen Kollateralschäden und spricht sich für lokale Lösungen aus.

Thomas Pany | TELEPOLIS

Bild: Kevin Dellandrea/Unsplash

Der Mann, der Mitte März Sars-CoV-2 den Krieg erklärte ist vorsichtig geworden. „Man kann das Land nicht zum Halten bringen“, sagte Macron dem Magazin Paris Match. Aus seiner Sommerresidenz heraus versucht er nun ein paar Monate später seine Landsleute mit Besonnenheit zu überzeugen.

Es gebe wegen des Anstiegs der gemeldeten Zahlen von Infizierten „starke Besorgnisse im Land“, meldet etwa der Figaro. Es ist bei Weitem nicht das einzige Medium, das mit der „Hypothese der Wiederkehr einer landesweiten Ausgangssperre (reconfinement)“ Aufregung in die Nachrichten-Sommerflaute („Sommerloch“) bringt.

Direkt antwortet Macron nicht mit Nein auf die Frage, ob ein neuer Lockdown möglich sei. Nichts sei verboten („On ne s’interdit rien“), er verstehe die Ängste, die seien legitim und man müsse sie akzeptieren, auf jeden Fall wolle man vermeiden, „überwältigt zu werden“, aber die Kollateralschäden einer landesweiten Ausgangsbeschränkung seien beträchtlich.

Das Nullrisiko gibt es niemals in einer Gesellschaft. Man muss auf die Ängste antworten, ohne der Doktrin des risque zéro zu verfallen.

Emmanuel Macron

So schlägt er angesichts eines „total neuen epidemischen Phänomens“ vor, was nach der großen Krieg gegen das Virus-Aufregung im März als Rezept der Stunde erscheint: gezielte lokale Lockdowns und eine Betonung der Verantwortung der Einzelnen, also Abstandhalten, Maskentragen und hygienische Maßnahmen. Das mag Anklänge an das „schwedische Modell“ haben, wird aber in Frankreich nicht als bloße Empfehlung behandelt, sondern von saftigen Strafandrohungen und an neuralgischen Orten mit verstärktem Polizeieinsatz begleitet, um die Kontrolle der Einhaltung der Maskenpflicht effizienter zu machen.

In Kürze steht in Frankreich die Wiederaufnahme des Betriebs nach den Ferien an, genannt la Rentrée. Die Wirtschaft meldete Ende Juli ein Minus von 13,8 Prozent beim BIP für das zweite Quartal. Das war ein schwerer Einbruch, der allerdings weniger stark ausfiel, als von Experten vorhergesagt (FAZ) – und laut der deutschen Finanzzeitung Handelsblatt „lief die Wirtschaft in Frankreich nach dem Lockdown wieder besser an als gedacht“.

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