Wolf: Katholische Kirche so wie heute gibt es erst seit 150 Jahren

Pius IX. nach einem Porträt von George Peter Alexander Healy, 1871

1.800 Jahre lang war das Christentum katholisch im eigentlichen Sinne, sagt der Historiker Hubert Wolf: umfassend und vielfältig. Das habe sich vor 150 Jahren geändert – diese Richtungsänderung wirke bis heute nach.

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Die römisch-katholische Kirche mit ihrem gegenwärtigen Gesicht ist laut dem Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf noch nicht so alt wie oft vermutet. „Vieles von dem, was wir heute für ‚immer schon katholisch‘ halten, ist eben gerade erst 150 Jahre alt und hat manchmal nur wenig mit den Ursprüngen des Christentums und einer vermeintlichen Unveränderlichkeit von Glauben und Lehre zu tun“, sagte Wolf dem Kölner Stadtanzeiger in einem Interview am Donnerstag.  

„Wir haben es heute mit einem auf den Papst konzentrierten Einheitskatholizismus zu tun. Bis weit ins 19. Jahrhundert aber war die römische Kirche genau das, was das Wort ‚katholisch‘ eigentlich sagt: umfassend, vielfältig. Es gab nicht ‚den‘ Katholizismus“, so Wolf. „Einen unfehlbaren Papst zum Beispiel gibt es auch erst seit 150 Jahren.“ Die sogenannten Ultramontanen, die die Kirche allein beim Papst gut aufgehoben sahen, hätten während des Pontifikats von Papst Pius IX. (1846-1878) die alleinige Macht ergriffen und andere Gruppen „verketzert“ und die Unfehlbarkeit des Papstes eingeführt. 

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