Herbeiführung von Blackouts durch Desinformationskampagnen?


Wissenschaftler wollen in einer Studie belegt haben, dass individuelles Verhalten gezielt über die Verbreitung von Desinformation über soziale Netzwerke manipuliert werden kann

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Bild: TP

Wissenschaftler der Nationalen Universität von Singapur haben, gefördert von der National Research Foundation Singapore, ein noch fiktives Szenario durchgespielt, das zeigen soll, wie Menschen dazu gebracht werden könnten, unwissentlich kritische Infrastruktur anzugreifen und lahmzulegen. Benutzt werden dazu Desinformationskampagnen vor allem über Soziale Netzwerke, die allerorten von politischen und militärischen Spielern als gefährliche Waffen von der jeweils gegnerischen Seite bezeichnet werden. Wie wirksam solche Desinformationskampagnen sind, ist allerdings nicht wirklich belegt.

„Soziale Netzwerke haben es möglich gemacht“, schreiben die Wissenschaftler, „die Massen über Desinformation und Fake News in bislang unbekanntem Ausmaß zu manipulieren. Das ist besonders aus einer Sicherheitsperspektive alarmierend, da Menschen erwiesenermaßen eines der schwächsten Glieder für den Schutz kritischer Infrastruktur im Allgemeinen und des Stromnetzes im Besondern ist.“ Soziale Netzwerke würde es Aggressoren erlauben, das „öffentliche Narrativ zu steuern“. Die stärksten viralen Informationen könnten den Ausgang von Kriegen beeinflussen. Der Wirkmechanismus bestehe im Einsatz von Algorithmen, die Viralität vor Wahrheit bevorzugen.

Es wird also schon einmal die angebliche Gefahr hoch angesetzt. Als die „deutlichsten“ Beispiele für den Erfolg solcher Kampagnen werden wieder als Paradebeispiele „die angebliche russische Einwirkung auf den Präsidentschaftswahlkampf 2016“ und das Brexit-Referendum genannt. Bei beiden ist zweifelhaft, ob die „Kampagnen“ den Ausschlag gegeben haben. Die Autoren gehen jedoch davon aus, dass die gezielte Beeinflussung von Computernutzer „langfristige Entscheidungen einer Gesellschaft beeinflussen“ können. Solche langfristigen Manipulationen des sozialen Verhalten sei schon öfter untersucht worden, aber nicht „gezielte Angriffe, die Desinformation als Waffe verenden, um soziales Verhalten in einer begrenzten Zeitspanne zu manipulieren“.

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