Realität in der Quantenphysik: Sind Fakten nur eine Frage der Perspektive?


„Wigners Freund“ ist ein berühmtes physikalisches Gedankenexperiment von Eugen Wigner. Es schürt Zweifel, ob Fakten für alle Beobachter immer dieselben sind. Nun haben australische Physiker es als echtes Experiment durchgeführt.

Ulf von Rauchhaupt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Eugen Wigners Freund vermisst in seinem Labor ein Quantenteilchen (rechts). Für Wigner, dargestllet durch eine Hand, befinden sich sein Freund und das Teilchen in einem Überlagerungszustand aller Möglichkeiten. Artwork by Anthony Dunnigan. Bild: Griffith University

Wissenschaft steht im Ruf, sich um Fakten zu bemühen. Umso mehr muss eine neue Forschungsarbeit in „Nature Physics“ irritieren. Darin haben australische Forscher eine paradoxe Konsequenz der Quantentheorie untersucht, auf die der Physiker Eugen Wigner 1961 im Gedankenexperiment gestoßen war. Er hatte sich vorgestellt, ein Labor zu kontrollieren, in dem ein Freund ein Quantenteilchen vermisst. Als solches befindet sich dieses vor der Messung in einem Zustand der Überlagerung aller möglichen Messergebnisse.

Nach der Messung hat Wigners Freund ein bestimmtes Ergebnis vor sich – nicht aber Wigner. Solange ihm der Freund nichts kommuniziert, bleiben Teilchen und Freund für ihn im Zustand der Überlagerung aller Möglichkeiten. Was hier Fakt ist, hängt also davon ab, ob man Wigner ist oder dessen Freund.

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