Diese Heiligtümer und Tempel beweisen: Inklusion und Barrierefreiheit sind Ideen aus dem antiken Griechenland


Schon immer waren Treppenstufen für Menschen mit Gehbehinderung ein unüberwindbares Hindernis. Die Lösung hiess schon vor über 2000 Jahren: Rampen.

Esther Widmann | Neue Zürcher Zeitung

Die Rampe am Eingang des Asklepios-Tempels von Epidauros. Zde / Wikimedia / CC BY-SA 4.0

Angesichts des Standes der Medizin im 4. Jahrhundert v. Chr. ist es durchaus naheliegend, dass Menschen mit Gehbehinderung im antiken Griechenland kein ungewöhnlicher Anblick waren: Schlecht verheilte Brüche, Kriegsverletzungen oder Wundbrand konnten dazu führen, dass Betroffene zeitlebens hinkten oder sogar Gliedmassen einbüssten – um nur einige Beispiele zu nennen. In den Schriften des berühmtesten Arztes der Antike, Hippokrates, der im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. lebte, ist von angeborenen Klumpfüssen, Amputationen und zahlreichen anderen Gründen die Rede, weshalb Menschen Krücken benutzen mussten. Andere, die nicht gehen konnten, wurden in Sänften getragen oder ritten auf Eseln. Rollstühle gab es nicht. Aber es gab etwas, was auch heute noch wichtig ist: Barrierefreiheit. Zumindest ist das die These der Archäologin Debby Sneed von der California State University, die sie in einem Artikel in der Fachzeitschrift «Antiquity» darlegt.

Sneed stellte fest, dass Rampen in einigen Heiligtümern häufiger vorkommen als in anderen. Am auffälligsten war das im Heiligtum des Asklepios in Epidauros, im Nordwesten der Peloponnes. Asklepios galt den Griechen als Heilgott, dargestellt mit einem Stab, um den sich eine Schlange windet: die Äskulapnatter, benannt nach der lateinischen Form des Namens des Gottes. Der sogenannte Äskulapstab ist heute noch in den Ladenschildern von Apotheken in Deutschland sowie in der Flagge der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu sehen.

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