Aufarbeitung des Falls Oury Jalloh: Den Korpsgeist vernachlässigt


Dem Landtag von Sachsen-Anhalt haben Berater einen Bericht vorgelegt. Der listet Lügen und Rechtsbrüche auf, doch die entscheidende Frage beantwortet er nicht.

Christian Jakob | taz

Oury Jalloh hätte gar nicht in Gewahrsam genommen werden müssen – seine Adresse hätte die Polizei leicht feststellen können (Archivbild von einer Demo anlässlich des 10. Todestags von Oury Jalloh am 7.1.2015) Foto: dpa

Es gäbe vieles, sehr vieles, was sich einem Dokument voranstellen ließe, in dem es um den qualvollen Tod eines Menschen in den Händen der Polizei geht. Die beiden Juristen Jerzy Montag und Manfred Nötzel, die im Auftrag des Landtags von Sachsen-Anhalt die Ermittlungen zum Tod des Sierra Leoners Oury Jalloh untersuchten, entschieden sich, in ihrer „Vorbemerkung“ folgendes zu schreiben:

„Er war kein besonders gesetzestreuer Mensch und hatte bereits mehrfach gegen Strafgesetze verstoßen. Er konsumierte und handelte mit illegalen Drogen und war bereits mehrfach im polizeilichen Gewahrsam und in Untersuchungshaft eingesessen. Immer wieder, auch an seinem Todestag, war Ouri Jallow erheblich alkoholisiert.“

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