Charlie Hebdo und die nationale Traumabewältigung


Die Terroranschläge vom 2015 waren zuletzt etwas in den Hintergrund der französischen Öffentlichkeit gerückt. Doch mit dem Prozessauftakt Anfang September wird das Land erneut mit der Frage konfrontiert, wie es zur freien Meinungsäußerung und zum Islamismus steht.

Jürgen König | Deutschlandfunk

Das Drama um „Charlie Hebdo“ und den Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt ist nach über fünf Jahren für die französische Öffentlichkeit in den Hintergrund getreten. (imago images/IP3press/Aurelien Morissard)

Mehr als fünf Jahre hat es gedauert, bis die Täter der Attentate vor Gericht kommen. Am 2. September beginnt der Prozess. Er könnte die Franzosen trotz der aktuellen Coronakrise wieder an die traumatischen Ereignisse des Jahres 2015 erinnern.

Am 7. Januar 2015 drangen die Islamisten Chérif und Saïd Kouachi in Paris in die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ ein und erschossen dabei zwölf Menschen. Ein weiterer, mit dem Brüderpaar Kouachi bekannter Islamist, Amedy Coulibaly, tötete am 8. Januar in Montrouge bei Paris eine Polizistin und überfiel am 9. Januar einen Pariser Supermarkt für jüdische Lebensmittel, „Hyper Cacher“ – hier erschoss er vier seiner Geiseln. Die Brüder Kouachi wurden nach zweitägiger Flucht von einer Spezialeinheit der Gendarmerie erschossen, Amedy Coulibaly wurde bei der Erstürmung des Supermarkts durch eine Anti-Terror-Einheit der Polizei getötet. Am 10. und 11. Januar 2015 kam es in ganz Frankreich zu Großdemonstrationen.

„Ich empfinde gleichzeitig Zorn, auch Schmerz – und Stolz: darüber, all diese Menschen hier zu sehen, die alle aus demselben Grund hergekommen sind.“

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