Neustart nach der NS-Zeit: Vor 75 Jahren wurde der Rat der EKD gebildet


Die evangelische Kirche in Deutschland stand nach dem Zweiten Weltkrieg vor einem Scherbenhaufen, auch moralisch. Sich neu zu sortieren und die verschiedenen Strömungen zusammenzubringen, war ein schwieriges Unterfangen.

Norbert Zonker | katholisch.de

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Situation der beiden großen Kirchen in Deutschland durchaus unterschiedlich. Die katholische Kirche hatte als Institution die Repressionen des NS-Regimes einigermaßen überstanden, die Bischofskonferenz war trotz interner Differenzen intakt geblieben, zudem waren die deutschen Katholiken fest eingebunden in die katholische Weltkirche.

Dagegen standen die Protestanten vor einem Scherbenhaufen. Die mehrheitlich von regimenahen „Deutschen Christen“ getragene, 1933 gegründete „Deutsche Evangelische Kirche“ war moralisch bankrott, und nun war vor allem die Minderheit, die sich in der „Bekennenden Kirche“ organisiert hatte, gefragt, eine neue Kirchenstruktur aufzubauen. Zugleich galt es, die deutschen Protestanten in der weltweiten Ökumene zu rehabilitieren.

Aus dem KZ, der Verbannung, von der Front

Der Neuanfang begann am 27. August 1945 im kurhessischen Treysa. Dort trafen sich rund 120 Kirchenmänner aus den damals 28 Landeskirchen und den in der Zeit des „Kirchenkampfs“ gebildeten „Bruderräten“, aber fast ausschließlich aus den drei westlichen Besatzungszonen, zu einer „Kirchenführerkonferenz“. Sie kamen laut Bericht eines Augenzeugen „aus dem Konzentrationslager, dem Gefängnis, dem Ausland, der Verbannung an bestimmte Orte, von der Front“.

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