Corona – Lügner – Fakten – Sorgen

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Am vergangenen Sonntag wurde die Demonstration der Corona-Gegner in Berlin aufgelöst. Es hatten sich Kritiker der Corona-Maßnahmen versammelt, besorgte Bürger, Verschwörungstheoretiker und Rechtsradikale. Ein „Sturm auf den Reichstag“ war die Spitze der Demonstration. Dass sich nicht nur die Gesellschaft der USA spalten kann, zeigen die Vorfälle in Berlin. Wie lässt sich die Wut gegen die Corona-Maßnahmen erklären?

Klaus Weinert | TELEPOLIS

Eine Erklärung soll hier gegeben werden, die sich auf die unklaren, oft widersprüchlichen Nachrichten beziehen, die die Menschen verunsichern. Erst jüngst hat eine Untersuchung belegt, dass besonders die Monopol-Fernsehsender in Sachen Information, ARD und ZDF, in ihren Sondersendungen die Sorgen der Menschen erhöhen, ja sogar Angst einflößen, da zu pauschal über Corona berichtet wird. Auch die Diskussionen in den bekannten Polit-Talks stellen zwar Meinungen vor, allerdings kaum von Kritikern der Corona-Maßnahmen, und sie arbeiten das Thema nicht rational auf im Sinne, was wissen wir, was wissen wir nicht und warum entscheidet die Politik so, wie sie entscheidet.

Der Autor dieser Zeilen hat selbst die Erfahrung gemacht, dass zum Beispiel ältere Menschen der Meinung sind, Corona-Infizierte sind schwer erkrankte Menschen, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, was natürlich Unsinn ist. Aber durch die fast täglichen Corona-Infizierten-Meldungen im Fernsehen, das das Informations-Medium der meisten (besonders älteren) Bevölkerungsgruppen ist, wird Unsicherheit erzeugt, weil Nachrichten in der Regel keine Zusammenhänge erläutern, Verhältnisse nicht darstellen. Daher bekommen hohe Zahlen für manche Menschen eine unheilvolle Dimension, Corona wird zu einem Killervirus, während andere Menschen andere Zahlen entdecken, die den offiziellen Zahlen nicht entsprechen und Corona als eine normale Grippe bezeichnen, für die es bekanntlich keinen Lockdown gibt.

Das ist das Problem. Ungenauigkeiten lassen viel Spielraum für Interpretationen, gerade auch Fernsehbilder vermögen Menschen stark zu emotionalisieren, was hinreichend bekannt ist. Zahlen, die genannt werden, ohne Verhältnisbezug, erzeugen darüber hinaus Sorge und Angst. Deutschland hat, Stand 31. August, Johns-Hopkins-Universität, 9300 Corona-Tote zu beklagen, das sind bisher rund 16000 weniger als zu der Grippesaison 2017/2018, die damals durch Übersterblichkeit gemessen wurde und nicht so intensiv wie derzeit bei Corona. Das heißt, dass es vor zwei Jahren noch mehr Grippetote gegeben habe könnte, vielleicht auch weniger. Diese Zahlen sind in den Köpfen mancher Menschen und daher werden sie sich fragen, warum gibt es derart scharfe Maßnahmen, die wir einhalten müssen, während vor zwei Jahren keine Masken getragen wurden, es keinen Lockdown gab.

Und schauen wir uns weitere Zahlen an. Schweden wurde häufig in ARD und ZDF als Land hervorgehoben, das besonders viele Corona-Tote zu verzeichnen hat. Vergleicht man diese Zahlen aber mit Italien oder Frankreich, berechnet auf die Bevölkerung, steht Schweden, trotz eines lockeren Umgangs mit Corona, genauso schlecht da wie diese beiden Länder (im Vergleich zu Belgien oder Großbritannien noch besser). Da fragen sich manche Menschen, warum das so ist. Dafür erhalten wir in der Regel keine Erklärung, was das Misstrauen gegenüber politischen Maßnahmen erhöht und Menschen sich die Frage stellen, ob da nicht irgendwie übertrieben oder sogar gelogen wird.

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