Menschenzukunft: Prüfstein Atombombe


Das Ende der nuklearen Heilslehre wäre ein Lackmustest, der die Liebhaber des Lebens erkennbar macht und eine neue Politik einleiten könnte – ein „Planspiel“ zum Antikriegstag

Peter Bürger | TELEPOLIS

Müdigkeit stellt sich ein bei vielen, die sich noch bekümmern lassen. Seit Jahrzehnten können wir Woche für Woche verfolgen, wie die Dogmen eines destruktiven Zivilisationsmodells den dringlichen Paradigmenwechsel in Weltgesellschaft, Politik, Ökonomie, Technologie, Wissenschaft und Kultur sabotieren.

Ein wenig Ökologie und Klimagerechtigkeit müssen freilich auch konservative Kandidaten heute auf ihre Plakate schreiben, die gestern noch „Vorfahrt für die freie Wirtschaft“ verkündeten. Am maßgeblichen Kurs ändert sich hierdurch rein gar nichts.

Insbesondere ist zum Antikriegstag 2020 erneut Klage darüber zu führen, dass Deutschland sich im dritten Jahrtausend mitnichten auszeichnet durch einen überzeugenden „Dienst am Frieden in der Welt“ (Präambel Grundgesetz), der im Kontext neuer Allianzen an der Vision von Vereinten Nationen (1945!) festhält und zugleich Perspektiven für eine global vernetzte Antwort auf den menschengemachten Klimawandel eröffnet.

Soll eine neue Politik zugunsten der jungen und der noch nicht geborenen Mitglieder der menschlichen Familie erst – zu spät – kommen, wenn die Akteure der real existierenden „Politik des Weiter so“ schon im Himmel oder unter der Erde sind? Zahlreich sind die Versuchungen, sich der Traurigkeit zu ergeben oder in esoterische Wahngebilde zu flüchten. Wer wälzt uns den Stein vom Grab der Vergeblichkeiten?

Angesichts der schier endlosen Schauplätze des Aberwitzes bräuchten wir ein konkretes politisches Projekt, das die menschenverachtenden Abgründe in einer auch „symbolträchtigen“ Weise anschaulich macht, zugleich die Liebhaber/innen des Lebens in einer Bewegung zusammenführt und die Anbeter des Todes nötigt, Farbe zu bekennen.

Weniges scheint hierbei gegenwärtig so sehr geeignet zu sein wie ein breites gesellschaftliches Bündnis zur Beendigung der deutschen Atombombenteilhabe. In den bundesweiten Zusammenschlüssen der Friedensbewegung steht dieses Anliegen 75 Jahre nach Hiroshima ohnehin überall oben auf der Agenda.

Der politische Fetisch des Todes

Solange es Konzerne mit profitabler Militärproduktion gibt, ist Friedenspolitik nicht denkbar. Die „Bombe“ aber führt uns in besonderer Weise die selbstmörderischen Potenzen des homo sapiens vor Augen. Es gibt keinen Fetisch, in dem sich die auf Allmachtwahn und Konkurrenz basierenden Todesstrukturen der vom Patriarchat gelenkten Zivilisationsrichtung so verdichten.

Hervorgebracht hat diesen Fetisch eine Beherrschungswissenschaft, die glaubt, die menschliche Großhirnrinde sei dazu da, etwas zu erfinden, das in kürzester Zeit möglichst viele Mitglieder der eigenen Gattung vernichtet, den Überlebenden endloses Leiden bereitet und Lebensräume unbewohnbar macht.

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