Charlie Hebdo und die Meinungsfreiheit: „Der Tatbestand Blasphemie hat kein Eigenrecht mehr“


Zum Prozessauftakt gegen die mutmaßlichen „Charlie Hebdo“-Attentäter hat das Satiremagazin seine Mohammed-Karikaturen erneut veröffentlicht. Keine Provokation, sondern eigentlich eine Notwendigkeit, meint der Kulturphilosph Christian Demand.

Christian Demand im Gespräch mit Anke Schaefer | Deutschlandfunk Kultur

Die Anschläge auf „Charlie Hebdo“, bei dem zwölf Menschen von islamistischen Attentätern getötet wurden, werden nun in Paris vor Gericht verhandelt. Auslöser für die Bluttat waren die Mohammed-Karikaturen, die das Satiremagazin 2015 abgedruckt und damit Muslime in aller Welt in Wut und Empörung versetzt hatte. Zum Prozessauftakt hat „Charlie Hebdo“ die umstrittenen Karikturen des Propheten nun erneut veröffentlicht – mit Rückendeckung von Präsident Macron, der das Recht auf Blasphemie in seinem Land öffentlich verteidigt hat.

Tatbestand der Blasphemie hat kein Eigenrecht mehr

Christian Demand, Kulturphilosoph und Herausgeber der Zeitschrift „Merkur“ findet das völlig in Ordnung. Der Tatbestand der Blasphemie mache nur in einer Gesellschaft Sinn, in der christliche oder religiöse Bekenntnisse von einer Mehrheit geteilt würden. „In einer so diffusen und in Glaubens- und Weltanschuungsfragen so wenig einigen Gesellschaft, wie wir sie in der Gegenwart vorfinden, hat dieser Tatbestand kein Eigenrecht mehr, glaube ich.“

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