Wenn Rechtsextreme Unterstützung bei Christen suchen


Reichkriegsflaggen und rechte Parolen auf T-Shirts – daneben auch Slogans von vermeintlich christlichen Gruppierungen. Nicht nur auf der Demo in Berlin am vergangenen Wochenende versuchen rechte Kreise, Gläubige für ihre Sache zu gewinnen.

Frederike Weede | BR24

Berlin: Teilnehmer der rechtspopulistischen Demonstration „Tag der Nation“ des Bündnisses „Wir für Deutschland“. ©picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Wer zusammen mit Rechtsextremen demonstriere, und, wie am 29. August 2020 in Berlin beobachte, wie sich diese Zutritt zum Reichstag verschaffen wollen, könne später nicht behaupten, nichts davon gewusst zu haben, so Christian Staffa, Antisemitismusbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und das gelte natürlich auch für Christen.

BR24: Herr Staffa, gibt es ein Problem der mangelnden Abgrenzung zwischen Christen und Rechten?

Christian Staffa: Ja, auch zum Beispiel beim Thema Abtreibungsgegnerschaft. Die Lebensschützer, die sich auf Montagsdemos bundesweit versammeln und mit Rechtsradikalen zusammen laufen. Nicht alle Abtreibungsgegner sind rechtsextrem, aber es gibt diese Brückenfunktion, wie sie im christlich-evangelikalen Milieu auch bei Homosexuellenfeindlichkeit existiert. Es gibt relativ gezielte Strategien am Rand der konservativen Christen, um Unterstützung für rechtsextreme Positionen zu generieren.

Woran lässt sich erkennen, ob jemand aus christlicher oder aus rechter Gesinnung heraus für oder gegen ein Thema demonstriert?

Man kann es kontextuell relativ gut sehen: Wenn das Deutsch-Nationale im Vordergrund steht. Bei den Lebensschützern wäre das zum Beispiel der „Schutz des deutschen Volkes“. Wenn sie sagen, wir sind Abtreibungsgegner, weil wir für den Erhalt des deutschen Volkes kämpfen, wir müssen Kinder kriegen, weil wir sonst überrannt werden von einer „islamischen Flut“. Solche Parolen sind sehr leicht zu entschlüsseln.

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