„Religionskritik von rechts“


Die MIZ, Zeitschrift „für Konfessionslose und AtheistINNen“, bearbeitet in jedem Heft ein Schwerpunkt- oder Titelthema. Für die Ausgabe 2/21, die im Sommer kommenden Jahres erscheinen wird, hat die Redaktion sich nun „Religionskritik von rechts“ vorgenommen. Dafür sollen mit einem „Call for Articles“ Beiträge eingeworben werden. Über die dahingehenden Überlegungen sprach der hpd mit MIZ-Chefredakteur Christoph Lammers.

Martin Bauer | hpd.de

©Fotomontage Daniela Wakonigg mit Material von pixabay.com & MIZ (Pixabay License)

hpd: Im aktuellen Heft der MIZ gibt es einen Artikel von Christoph Kopke zum Verhältnis der Neuen Rechten zum Islam  gibt es zu dem Thema so viel mehr zu sagen, dass sich ein ganzer Schwerpunkt lohnt?

Christoph Lammers: Ja, es lohnt sich, denn das Thema ist ein weites Feld. Der Artikel von Christoph Kopke beschäftigt sich mit einem Teilbereich und es geht allein um den Islam. Die (Neue) Rechte schießt sich ja angeblich gern auf den Islam ein. Doch das ist ein Fehlschluss. Deshalb sind uns Analysen wie die von Christoph Kopke sehr wichtig.

Aber nicht erst der Anschlag von Halle/Saale am 9. Oktober 2019 hat gezeigt, dass rechte Ideologien ein weitaus größeres Spektrum, (vermeintliche) Gruppen und Feindbilder bedienen. Und erst wenn wir die Argumente und Argumentationsmuster kennen, sind wir in der Lage, Religionskritik wieder in die Diskussion zu bringen und dahingehend aufzuklären, wie wichtig Religionskritik für eine aufgeklärte Gesellschaft ist und uns zugleich abzugrenzen von Antisemitismus, Rassismus, Verschwörungserzählungen, Frauenhass und den politisierten Identitätsfragen.

Welche Themen und Perspektiven fände die Redaktion denn spannend?

Thematisch möchten wir das Heft mit den eingeworbenen Artikeln möglichst breit aufstellen. Es geht uns dabei nicht nur darum, einen allgemeinen Aufriss zum Thema Religionskritik von rechts zu machen, die Akteur_innen, Parteien, Netzwerke und deren Themen herauszustellen. Darüber hinaus interessieren wir uns auch für den sozialen und gesellschaftlichen Kontext, in dem rechte Religionskritik entsteht. Zudem wollen wir die Themen, allen voran Menschen- und Frauenrechte, in den Blick nehmen, soweit die Rechte diese Themen für sich entdeckt hat und zu instrumentalisieren versucht.

Da in diesen Tagen der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo vor Gericht verhandelt wird und um rechten Argumentationsmustern keinen Vorschub zu leisten, liegt außerdem ein inhaltlicher Fokus auf der Fragestellung, inwieweit es zu einer Diskursverschiebung und Tabuisierung von Religionskritik gekommen ist. Zu guter Letzt spielt auch die Identitätsfrage eine wichtige Rolle. Gibt es Schnittstellen zwischen rechten und linken Identitätsdebatten?

Grundsätzlich wünschen wir uns, den Blick nicht allein auf Deutschland oder Europa zu werfen. Wenn es uns mit dem Call gelänge, Perspektiven aus dem globalen Süden mit aufzunehmen, wäre das in vielerlei Hinsicht ein Gewinn.

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