„Querdenken“-Demonstration: Wer mitläuft, kennt die Richtung


Die Wortführer der „Querdenken“-Demonstration fordern den Umsturz. Die Verachtung für den Rechtsstaat dringt ihnen aus allen Poren. Wer ihnen folgt, weiß das – und nimmt die Folgen in Kauf.

Friederike Haupt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vor dem Brandenburger Tor: Führende Politiker wie auch der Virologe Christian Drosten werden von Demonstranten als Verbrecher gebrandmarkt Bild: Daniel Pilar

Was ist vor einer Woche in Berlin geschehen? Eine beliebte Erzählung: 38.000 Menschen demonstrierten arglos gegen die Corona-Maßnahmen, bis Extremisten überraschend die Treppe zum Reichstag stürmten. Doch so war es nicht. Die 38.000 Menschen waren nicht arglos. Sie liefen sehenden Auges und hörenden Ohres gemeinsam mit den Feinden der Verfassung. Und wer mitläuft, kennt die Richtung.

Davon wollen freilich die Mitläufer nichts hören. Das hat eine gewisse Tradition. Tatsächlich weiß man hinterher immer mehr. Die Frage ist bloß jedes Mal, ob man es nicht vorher hätte wissen müssen.

In den vergangenen Tagen wurden die Ereignisse meist auf zwei Arten interpretiert. Entweder hieß es, die Proteste seien von Rechtsextremisten unterwandert gewesen. Das legte den Schluss nahe, dass die Mehrheit der Demonstranten davon nichts ahnen konnte. Denn es liegt in der Natur von Unterwanderungen, dass sie nicht offensichtlich geschehen, sondern unauffällig, allmählich. Wer eine politische Bewegung unterwandert, verändert sie wie eine Wühlmaus einen Garten. Unsichtbarkeit ist die Voraussetzung für Erfolg.

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