Was verbindet Esoterik und Rechtsextremismus?


Bei den Corona-Demos liefen Esoteriker*innen neben Neonazis mit. Wir haben mit einer Expertin darüber gesprochen, was sie ideologisch gemeinsam haben.

Interview von Franziska Koohestani | jetzt.de

Foto: Christoph Hardt / imago images / Future Image

Vergangenen Samstag fanden in Berlin Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen statt – organisiert vom sogenannten „Querdenken 711“-Bündnis. Als offen rechtsextrem gilt zwar nur ein kleiner Teil der Demonstrierenden, teilgenommen haben aber auch Identitäre, Reichsbürger – und Menschen, die man als Verschwörungsideolog*innen, Impfgegner*innen, Esoteriker*innen und Hippies beschreiben kann. Aber wie lässt sich diese Gemeinschaft erklären?

Die Finnlandschwedin Jenny Willner ist Dozentin für Komparatistik an der LMU. Sie unterrichtet psychoanalytische Literaturwissenschaft und forscht über Wissenschaftsgeschichte, Esoterik und politische Ideologie im 20. Jahrhundert. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, was Esoterik und Rechtsextremismus eigentlich verbindet.

jetzt: Bei den Corona-Demos waren sowohl esoterische, als auch rechtsextreme Gruppen dabei. Hat dich diese Mischung überrascht?

Jenny Willner: Nein. Auch nicht, als sich herausstellte, dass eine Heilpraktikerin in Dreadlocks den rechten Mob vor den Bundestag gelotst hat. Ich musste an Die Mondverschwörung (2011) denken. Ein satirischer Dokumentarfilm, der sich schon ab 2005 mit der Verbindung von Reichsbürgern und Esoterikern befasst hat. Aber es ist schwierig, sich anhand von Medienberichten ein Bild von der Zusammensetzung der Demonstrationen zu machen, deren Haltungen und Überzeugungen. Es wird ja oft betont, dass es eine kleine Minderheit war, die sich als rechtsextrem versteht oder die antisemitische Plakate hochhielt. Aber je mehr andere Gruppierungen es gab, die mit sowas nichts zu tun hatten, desto erstaunlicher. Warum konnte man sich dann nicht abgrenzen? Gerade wenn es eine Minderheit war, hätte es doch gehen müssen. 

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