Frankreich: Wer sind die „Masken-Gegner“?


Die „Super-Misstrauischen“ im Porträt einer soziologischen Untersuchung: Viele Frauen, gutsituierte und gut ausgebildete Mitte mit Hang zu libertären Haltungen, zum Populismus und antisemitischen Verschwörungstheorien, politisch eher rechts

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die Gegner der Corona-Maßnahmen haben in Frankreich das Label „anti-masques“ bekommen. Wie viele Franzosen sich darunter einreihen lassen, ist schwer einzuschätzen. Deutlich ist der Unterschied zu Deutschland, wenn man vergleicht, wie viele Gegner der Maßnahmen auf Demonstrationen ihrer Empörung Luft machen. In Paris gingen am 29. August nur ein paar Hundert auf die Straße, in Berlin waren es – nach offiziellen Angaben – mindestens um die 40.000. Dennoch sind die „anti-masques“ immer häufiger in den Schlagzeilen, weil sie beunruhigen.

Sie sind die mit dem Super-Misstrauen, charakterisiert sie der Soziologe Antoine Bristielle in einem Interview mit France Info. Im genauen Wortlaut: „Das sind ein bisschen die Super-Misstrauischen (super-défiants) inmitten einer Bevölkerung, die selbst misstrauisch ist.“

Man könnte dem noch hinzufügen, dass das französische Verb „défier“ auf Deutsch auch mit den Bedeutungen „einer Sache spotten“ und „sich einer Sache widersetzen“ oder auch „herausfordern“ wiedergegeben wird; es geht nicht nur um Misstrauen, sondern auch um eine Konfrontation.

Unterschied zu Deutschland: Keine Reichsbürger

Wenn man nun die französischen „anti-masques“ mit den deutschen Corona-Maßnahmen-Gegnern vergleicht, wie sie sich mit ihren Forderungen in Berlin präsentierten, so wird eine deutsche Besonderheit sichtbar: Die Forderung nach einem Friedensvertrag oder einer „verfassungsgebenden Versammlung“, wie sie etwa vom Querdenken-711-Gründer Michael Ballweg bei der Berliner Demonstration am 29. August erhoben wurde (Corona-Maßnahmen: Kritik oder Totalablehnung?), hat in Frankreich keine Grundlage – ebenso wenig wie eine Reichsbürgerbewegung.

Das wirft, von französischen Verhältnissen aus gesehen, die Frage auf, welchen Anteil diese politischen Strömungen bei der Mobilisierung zu den deutschen Anti-Corona-Maßnahmenprotesten haben, deren Teilnehmerzahlen im europäischen Vergleich auffallen.

Der Unterschied zur Gelbwesten-Bewegung

Der oben genannte Soziologe Antoine Bristielle hat versucht, den Besonderheiten der französischen Corona-Maßnahmenprotesten nachzuspüren. Eine kurze Anmerkung vorweg: Seine Untersuchung wird auf der Webseite der Stiftung Jean-Jaurès veröffentlicht. Die Stiftung steht der sozialdemokratischen Partei Parti socialiste nahe. Allerdings erschien im Mai ein Beitrag von Antoine Bristielle zur Meinungslandschaft in Frankreich zuzeiten der Corona-Epidemie in der Zeitschrift Marianne, die sich nicht so leicht in hergebrachte Links-rechts-Lager einordnen lässt.

weiterlesen