Wer die dunklen Seiten des Korans verdrängt, tut den Muslimen keinen Gefallen


Die im Namen des Islams begangene Gewalt sei ein einziges grosses Missverständnis, behauptet der Islamwissenschafter Mouhanad Khorchide in seinem neuen Buch. Eine solche Lesart setzt sich kühn über den Text des Korans und historische Fakten hinweg.

Abdel-Hakim Ourghi | Neue Zürcher Zeitung

Der Sieg bei Badr, bei dem Mohammeds Gefolgsleute die Mekkaner schlugen, war ein Meilenstein in der Frühgeschichte des Islams. Die Illustration stammt aus dem «Siyer-i Nebi» (Leben des Propheten), einer türkischen Handschrift aus dem späten 14. Jahrhundert. Mauritius

Wenn Muslime heute ihre Friedfertigkeit damit beweisen wollen, dass der Islam auch historisch nur «Frieden» und «Barmherzigkeit» sei, dann ist das blosse Apologetik. Selbstverständlich steht es jedem Muslim frei, den Islam so zu verstehen, wie er es für richtig und gut hält. Wer aber unbequeme Traditionen des Islams in diesem Sinne uminterpretiert und historische Ereignisse verdrängt, muss mit Kritik seiner gutgemeinten Auslegungen rechnen.

Im Juli dieses Jahres ist das neue Buch des Soziologen und Islamwissenschafters Mouhanad Khorchide mit dem Titel «Gottes falsche Anwälte. Der Verrat am Islam» erschienen. Der Autor, selbst Muslim, möchte die Macht der konservativen Gelehrten und der Vertreter des politischen Islams brechen und dadurch den etablierten Islam von «Missverständnissen» befreien.

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