Islam in Deutschland: „Muslimfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit“


Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat vor wenigen Tagen einen Unabhängigen Expertenrat Muslimfeindlichkeit berufen. Yasemin el-Menouar von der Bertelsmann-Stiftung gehört dem Gremium an. „Der Islam wird gar nicht mehr als Religion wahrgenommen, sondern als politische Ideologie“, sagte sie im DLF.

Yasemin El-Menouar im Gespräch mit Monika Dittrich | Deutschlandfunk

Yasemin El-Menouar ist Mitglied im neuen Expertengremiums Muslimfeindlichkeit (Picture Alliance / dpa / Bodo Marks)

Jeder zweite Deutsche findet: Der Islam ist eine Bedrohung. In Ostdeutschland stimmen sogar 57 Prozent der Menschen dieser Aussage zu. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem vergangenen Jahr, doch seither zeigen auch neuere Umfragen immer wieder: Viele Menschen in Deutschland haben Vorbehalte gegen den Islam und gegen Muslime. Das zeigt sich auch in zahlreichen diskriminierenden Übergriffen auf Muslime, die der Verfassungsschutz in seinem jüngsten Bericht dokumentiert hat. Fachleute appellieren schon seit Längerem an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), etwas gegen zunehmende Islamfeindlichkeit zu tun. Im März dieses Jahres kündigte Seehofer nun ein sogenanntes „Unabhängiges Expertengremium Muslimfeindlichkeit“ an – es war wohl auch eine Reaktion auf den mutmaßlich rassistischen motivierten Anschlag in Hanau mit zehn Todesopfern. Nun wurden die zwölf Mitglieder des Gremiums berufen: eine von ihnen ist Yasemin el-Menouar, Religionsexpertin bei der Bertelsmann-Stiftung.

Monika Dittrich: Frau El-Menouar, was genau ist Muslimfeindlichkeit?

Yasemin El-Menouar: Ja, Muslimfeindlichkeit ist im Prinzip eine Form der Menschenfeindlichkeit. Also, es kann reichen von einer pauschalen Ablehnung über eine Feindseligkeit bis hin zu Gewalt gegenüber Menschen, die entweder tatsächlich muslimischen Glaubens sind, es trifft aber tatsächlich sehr häufig auch Menschen, die gar nicht muslimisch sind, sondern vielleicht südländisch aussehen oder einen Namen haben, der aus dem türkischen oder arabischen Raum kommt. Besonders hart trifft es aber natürlich Menschen, die religiöse Symbole tragen, und vor allen Dingen auch Frauen mit Kopftuch.

Monika Dittrich: Sonst ist häufig von Islamfeindlichkeit die Rede – würden Sie diese beiden Begriffe voneinander trennen?

El-Menouar: Ja, natürlich, das muss man schon voneinander unterscheiden. Islamfeindlichkeit bedeutet ja eine Ablehnung der Religion des Islam. Und Muslimfeindlichkeit betrifft ja eher die Menschen, also Muslime, die abgelehnt werden. Und natürlich sind beide Phänomene miteinander verknüpft, weil nämlich über eine Islamfeinschaft auch eine Ablehnung von Muslimen zu begründen ist.

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