Die Impfstoff-Falle


Aktionismus in der Corona-Forschung ist eher eine Forschungsbremse als medizinischer Fortschritt.

Jo Schilling | heise online

(Bild: RossHelen / Shutterstock.com)

Kürzlich habe ich einen alten Bekannten wiedergetroffen. Er ist Infektionsforscher aus Leidenschaft. Ein Professor mit großer Arbeitsgruppe – in der Szene ein Virologe mit Rang und Namen. Vielseitig, immer neugierig, ehrlich daran interessiert, Infektionen zu Leibe – oder besser zu Partikel – zu rücken. Wie es ihm ginge – wie er sich fühle, wollte ich von ihm wissen, weil er so gepresst klang und gar nicht so charmant sprühend wie sonst.

Ach, was solle er sagen. Corona. Alle forschen an diesem verdammten Virus. Und er und sein ganzes Institut müssten nun auch. Es sei ja wichtig, natürlich, aber andere Krankheiten seien das auch und es wären doch nun wirklich genug Kollegen dran. Aber wenn man derzeit für seine Forschung Geld einwerben wolle – nicht zuletzt, damit die ganzen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die Technischen Angestellten ihre Arbeit behielten – müsse man eben auf den Corona-Zug aufspringen.

Eine zweifelhafte Entwicklung. Natürlich ist es gut, wenn die Forschung sich auf eine globale Bedrohung fokussiert. Aber es klingt viel einfacher als es in der Forschung tatsächlich ist, mal eben das Virus zu wechseln und mal eben an einem Impfstoff mitzuwirken. Arbeitsgruppen sind selbst organische Gebilde, die von Interessen und Talenten gesteuert sind.

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