Nawalny hat sich angeblich fast vollständig erholt und soll noch stärker bewacht werden


Nach Medienberichten soll es sich um stärkeres Nowitschok als bei den Skripals handeln, bei der Identifizierung spielt eine ominöse Flasche ein Rolle. Mitarbeiter Nawalnys werfen Medien sachliche Fehler vor

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Am Montag hatte es die letzte Mitteilung der Charité über Alexei Nawalny gegeben. Sein Zustand verbessere sich, er befinde sich nicht mehr im Koma und sei ansprechbar. Das regierungskritische russische Online Magazin The Insider berichtet – in Zusammenarbeit mit dem Spiegel und Bellingcat – aufgrund nicht näher angegebener Quellen, Nawalny habe sich fast vollständig erholt.

Der Spiegel streicht zwar heraus, dass man gemeinsam mit der mittlerweile bei allem, was Russland betrifft, unvermeidlichen „Investigativplattform“ Bellingcat recherchiert habe, erwähnt jedoch das russische Medium nicht. Das mag womöglich auch Ausdruck einer Haltung sein. Der Spiegel berichtet, dass Nawalny nach dem Erwachen aus dem Koma im Krankenhaus nun direkt bewacht werde und dass die Zahl der Polizisten und die Kontrolldichte erhöht worden sei.

Man befürchte vermutlich weitere Attentatsversuche, da Nawalny wieder sprechen und sich an Einzelheiten vor seinem Zusammenbruch erinnern könnte. Überdies bereite man sich auf einen „Desinformationssturm“ vor. Nach The Insider habe er sich an Ereignisse erinnert, die zur Vergiftung geführt haben, und bis zu dem Zeitpunkt, als er in der Toilette des Flugzeugs zusammengebrochen ist. Es sei das höchste Sicherheitsniveau eingerichtet worden.

Noch giftiger

Man kann sich allerdings schon fragen, wen die Sicherheitsbehörden hinter dem Anschlag vermuten. Sollten es russische Geheimdienste oder vom Kreml beauftragte Akteure sein, wie der Spiegel die Annahme der deutschen Sicherheitsbehörde beschreibt, dann hätten sie eigentlich in Russland leicht das Landen des Flugzeugs in Omsk und die Notfallbehandlung von Nawalny auf dem Flugplatz und im Krankenhaus verhindern, dort einen weiteren Anschlag ausführen oder den Flug nach Deutschland weiter verzögern können. Nach The Insider glauben die Charité-Ärzte, dass Navalny nur aufgrund der schnellen Entscheidung der Piloten, in Omsk eine Notlandung zu machen, und dem Umstand, dass er bereits am Flughafen Atropin erhielt, überlebt hat. Die russischen Ärzte hatten dies auch mitgeteilt und erklärt, sie seien zuerst auch von einer Vergiftung ausgegangen.

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