«QAnon ist eine Ersatzreligion»


Seit dem Beginn der Coronakrise glauben massiv mehr Schweizer an Verschwörungstheorien. Jeder Zehnte neigt dazu, sagt Sektenexperte Georg Schmid.

Leo Eiholzer | Aargauer Zeitung

Die Verschwörungsbewegung QAnon bekommt Zulauf. Hier ein Mann mit dem Q-Logo auf seinem T-Shirt am Zürcher Sechseläutenplatz. ©Siggi Bucher/Blick

Die Verschwörungsbewegung QAnon aus den USA breitet sich in der Schweiz aus. Ihre absurde Überzeugung: Ein Ring aus pädophilen Politikern und unbekannten Strippenziehern kontrolliere die Welt. US-Präsident Donald Trump ist ihr Held, der dagegen kämpft – zusammen mit einem angeblichen Geheimdienstler, der auf obskuren Websiten unter dem Namen «Q» Nachrichten hinterlässt. Sekten- und Religionsexperte Georg Schmid erklärt, was den Verschwörungsglauben so interessant macht.

Herr Schmid, wie kann es sein, dass eine bizarre Verschwörungsbewegung wie QAnon in der aufgeklärten Schweiz Fuss fasst?

Georg Schmid: QAnon ist interessant für Menschen, die ohnehin zu Verschwörungstheorien neigen. Die misstrauisch sind gegenüber den Medien, gegenüber der Wissenschaft, dem Schulunterricht. Es ist eine Theorie, die die Welt extrem vereinfacht.

Sie unterteilt die Welt in Gut und Böse.

Ja. Wenn wir, die nicht an QAnon glauben, die Frage beantworten müssten, was eigentlich unsere Gesellschaft steuert, ist das extrem schwierig. Wenn man QAnon vertritt, ist es ganz einfach: Es ist der «Deep State», der «Staat im Staat». Das ist einer von zwei Faktoren.

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