US-Kriege seit 9/11: Mindestens 37 Millionen Flüchtlinge


Eine niedrig angesetzte Schätzung, so das Projekt „Kriegskosten“ der US-amerikanischen Brown University. In Deutschland werden indessen wieder Forderungen laut, neu über militärische Interventionen nachzudenken

Thomas Pany | TELEPOLIS

US-Truppen in Nordostsyrien. Foto: Pentagon/gemeinfrei

Mindestens 37 Millionen sind aufgrund der „Anti-Terror“-Kriege nach dem 11. September 2001 aus ihrem Zuhause geflüchtet, lautet die Bilanz von Autoren des „Projektes Kriegskosten“ der US-amerikanischen Brown University. Gezählt werden Binnenflüchtlinge und Flüchtlinge jenseits der jeweiligen Staatsgrenzen aufgrund von acht Kriegen. Eine weniger konservative Schätzung würde auf sogar auf bis zu 59 Millionen Flüchtlinge kommen, wie der leitende Autor des Berichts, David Vine von der American University in Washington, gleich zu Anfang seiner Zusammenfassung schreibt.

Dem Bericht über die Entstehung massenhafter Flucht durch Kriege nach 9/11 (vollständig hier: Creating Refugees: Displacement Caused by the United States’ Post-9/11 Wars) liegen militärische US-„Interventionen“ in acht Ländern als Reaktion auf die Terror-Anschläge vom 11. September zugrunde: in Afghanistan und Pakistan (infolge des Krieges in Afghanistan), im Irak und Syrien, in Libyen, Somalia, dem Jemen und auf den Philippinnen.

▪ 5.3 million Afghans (representing 26% of the pre-war population)
▪ 3.7 million Pakistanis (3% of the pre-war population)
▪ 4.4 million Yemenis (24% of the pre-war population)
▪ 4.2 million Somalis (46% of the pre-war population)
▪ 1.7million Filipinos (2% of the pre-war population)
▪ 9.2 million Iraqis (37% of the pre-war population)
▪ 1.2 million Libyans (19% of the pre-war population)
▪ 7.1 million Syrians (37% of the pre-war population)

Creating Refugees

Dass die Schätzung von 37 Millionen Flüchtlingen als niedrig angesetzt – „conservativ“ ausgewiesen wird, liege auch daran, dass man eine Menge anderer Konflikte bei der Zählung ausgespart habe. Insgesamt hätten US-Truppen seit der Ankündigung des „Global War on Terror“ durch George W. Bush in 21 Ländern Kampfeinsätze bestritten, so der Professor für politische Anthropologie, David Vine, Autor eines Buches über die Geschichte endloser US-Konflikte.

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