Buchmesse: Der Dinosaurier stolpert über Corona


Das Gralstreffen der Lesebranche kippt – Frankfurter Hallenausstellung auf den letzten Drücker abgesagt – Lesefestival geht Online, Weihnachtsumsätze geraten wohl kaum in Gefahr

Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Bild: Frankfurter Buchmesse

Ein Stochern im Nebel hatte Joachim Unseld, Chef der renommierten Frankfurter Verlagsanstalt, Ende Mai noch den Hickhack um Sein oder Nichtsein genannt. Es ging um die Frankfurter Buchmesse, die vom 14. bis 18. Oktober angesetzt ist, und um die physische Präsenz; das Treffen werde aber wohl „trotzdem organisiert, weil die wirtschaftlichen Interessen großer Verlagsgruppen es so wollen“, ergänzte Roland Apsel vom Sachbuchverlag Brandes & Apsel, einer der kleineren Akteure.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) sprachen zu dem Zeitpunkt von einer „zukunftsweisenden Entscheidung für die Stärkung des Messestandorts Frankfurt“, das ist heute Altpapier.

Seit Dienstag ist nämlich klar: Schluss mit Buchdeckeln zum Anfassen. Die Schwester-Veranstaltung, die Leipziger Buchmesse, war gleich zu Beginn der Pandemie im März abgesagt worden, der mdr hatte daraufhin spontan eine virtuelle Buchmesse veranstaltet. Ein Omen für den Herbst? Im Vorjahr, 2019, waren mehr als 300.000 Besucher allein zur Buchmesse nach Frankfurt geströmt, fast 7.500 Aussteller aus über 100 Ländern waren präsent. Die Frankfurter Leitmesse findet seit 1949 jährlich statt; ihre allzu optimistischen Beharrer sollten für 2020 Unrecht haben. Und sich der Frage ausgesetzt sehen: Wie (un-)nötig ist eigentlich das Hin und Her in der Krise?

Chaos von Zu- und Absagen

„Das vollständige Ausstellerverzeichnis wird ab September 2020 verfügbar sein“, hieß es noch am Wochenende auf der offiziellen Website (Stand: 06. September)

Zuvor gab es ein Chaos von Zusagen und Absagen. Die Verlagsgruppen Holtzbrinck, Random House und Bonnier hatten zwischenzeitlich bereits abgewunken und wollten keine Stände auf der Messe buchen. Das hätte bedeutet, dass große Player wie S. Fischer, Piper, Rowohlt, Heyne, btb, Luchterhand, Ullstein oder Kiepenheuer & Witsch jedenfalls nicht in Frankfurt präsent sein würden.

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