Katholische Kirche: Hört auf, die Leute für dumm zu verkaufen!


Die katholische Kirche krankt nicht nur an der Angst vor Veränderung, sondern auch am Absolutismus – sagt Johannes zu Eltz. Hier fordert der Frankfurter Stadtdekan: Die Bischöfe müssen freiwillig auf Macht verzichten. Und sich eine neue Verfassung geben.

Johannes zu Eltz | ZEIT ONLINE

Im vergangenen Jahr sind in meiner großen Innenstadtpfarrei fast 700 Katholiken aus der Kirche ausgetreten, die meisten zwischen 25 und 35 Jahre alt. In diesem Jahr werden es noch mehr sein. Ich schreibe sie alle an, mit der Bitte, mir zu sagen, warum sie gehen. Eine ganze Anzahl antwortet. Der rote Faden, der durch die ansonsten sehr unterschiedlichen Begründungen läuft, ist die Klage, dass die Kirche, obwohl sie in einer bestandsgefährdenden Krise sei, keinen Willen zu wirklicher Veränderung zeige. Die Ausgetretenen reißen sich von einer Kirche los, deren Starrheit sie abstoßend finden. Ihren Glauben nehmen sie mit – wie etwas, das man in Sicherheit bringen muss.

Ich bin Stadtdekan in Frankfurt am Main, unsere Pfarrkirche ist der Dom, unsere Pfarrei hat 20.000 Mitglieder. Immerhin, könnte man sagen. Doch ich bin sehr beunruhigt. Wir erleben einen erdrutschartigen Verlust von Ansehen und Vertrauen in einer säkularisierten Gesellschaft. Die Katholiken, so wie alle anderen, verstehen ihre Religionsfreiheit zuerst individuell und nehmen sie, wenn sie es für richtig halten, auch gegen ihre Kirche in Anspruch. Dem ist allein mit guten Worten und Symbolhandlungen nicht beizukommen. Um die Zustimmung der Menschen neu zu gewinnen, müssen Taten neue Tatsachen schaffen. Ob meine Kirche dazu bereit ist?

weiterlesen