Osmanenwahn: Wie Erdogan die Flüchtlinge instrumentalisiert


Der türkische Präsident benutzt das Flüchtlingselend als Druckmittel. Er will die EU im Mittelmeerstreit um Gebietsansprüche zum Einlenken bewegen.

Susanne Güsten | DER TAGESSPIEGEL

Die Türkei droht für den Fall von Sanktionen im Mittelmeerstreit zwar damit, das Flüchtlingsabkommen mit Europa aufzukündigen. Derzeit hält sich Ankara aber an die Vereinbarung mit Brüssel. Laut UN-Zahlen kamen seit Jahresbeginn knapp 4300 Bootsflüchtlinge aus der Türkei auf Lesbos an, die meisten von ihnen im Frühjahr.

Von Anfang Mai bis Ende August verzeichnete die Uno nur etwa 440 Ankömmlinge auf der Insel. Die Zahlen belegen, dass die türkischen Behörden im Sommer, der wegen des günstigen Wetters bei den Menschenschmugglern für die Überfahrten besonders beliebt ist, die Küsten weiter scharf kontrolliert haben – trotz aller politischen Warnungen an die EU.

Zuletzt hatte die türkische Führung vor wenigen Tagen erklärt, sie werde die Zusammenarbeit mit der EU in der Flüchtlingsfrage aufkündigen, falls Europa in den kommenden Wochen Strafmaßnahmen beschließen sollte. Besonders Griechenland, Zypern und Frankreich fordern Sanktionen gegen Ankara, um die Türkei im Streit um Gebietsansprüche und Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer zum Einlenken zu bewegen.

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