Darwins Vermächtnis


Die heute gängige Synthetische Evolutionstheorie müsse umfassend erweitert werden, schreibt der Biologe Axel Lange.

Frank Schubert | Spektrum

Die Frage im Untertitel des Buchs (»Ist Darwin überholt?«) soll wahrscheinlich Interesse wecken. Sie wirkt allerdings etwas merkwürdig.

Nein, natürlich ist Darwin nicht überholt, denn die Evolution ist eine Tatsache und die zentrale Aussage der darwinschen Theorie wurde zigfach bestätigt: Arten ändern ab, weil ihre Individuen erbliche Merkmale haben und Veränderungen dieser Merkmale an ihre Nachkommen weitergeben, wobei die natürliche Selektion jene bevorzugt, die besser an ihre Umwelt angepasst sind. Ja, Darwin ist insofern überholt, als seine Theorie 160 Jahre alt ist und bis heute vielfach erweitert wurde; es wäre geradezu bizarr, würde sie noch unverändert gelten.

Der Biologe Axel Lange, Autor des Buchs, schreibt eingangs, Darwins Theorie habe zwei große Lücken gehabt: Sie habe nicht beantwortet, wie die Vererbung erfolge und woher die Variation der erblichen Merkmale komme. Eigenartigerweise lässt er dort unerwähnt, dass Darwin das gar nicht wissen konnte – der Nachweis, dass die Erbinformation über DNA weitergegeben wird, erfolgte mehr als 80 Jahre nach Erscheinen der darwinschen Theorie. Das erstaunt umso mehr, da Lange wenig später selbst erörtert, wie mühsam die Suche nach der Erbsubstanz im 20. Jahrhundert war.

weiterlesen