Gangster in Uniform?


In manchen amerikanischen Sheriff Departments tragen sich merkwürdige Dinge zu. Dort sollen tätowierte Gangs das Sagen haben

Thomas Schuster | TELEPOLIS

Das Polizeirevier sollen die „The Executioners“ unter Kontrolle haben. Bild: lasd.org

Während Tätowierungen in der Zivilbevölkerung erst in den letzten Jahren breite Akzeptanz gefunden haben, sind sie in der kriminellen Unterwelt, wie den japanischen Yakuza oder den russischen Vory v Zakone, schon lange verbreitet. In diesen Kreisen erfüllen sie nicht nur ein diffuses Mitteilungsbedürfnis, sondern ganz konkrete Kommunikationsabsichten.

Veranschaulicht wird dies in David Cronenbergs Film „Eastern Promises“, in dem Viggo Mortensen, der Aragorn aus der „Herr der Ringe“-Trilogie, einen verdeckten Ermittler spielt, der sich in einer Londoner Organisation der russischen Mafia hochdient, um diese zu überführen. Zu seiner Beförderung zum vollen Mitglied des Clans wird sein ohnehin bereits mit Tätowierungen übersäter Körper mit Sternen an den Knien versehen, die seinen neuen Rang anzeigen.

Unter Gangstern und Mafiosi signalisieren Tattoos die Gruppenzugehörigkeit sowie den Werdegang, die Fähigkeiten und den Rang des Tätowierten. In der Ikonografie der russischen Unterwelt ist der Stern ein Zeichen der Autorität. Ein Totenkopf kennzeichnet einen Mörder.

Dass es sich bei Tattoos nicht nur um trendige Grafiken handelt, haben auch deutsche Gerichte erkannt: Ein Bewerber für eine Stelle bei der Berliner Polizei wurde abgelehnt, weil neben Revolverpatronen und Totenköpfen das Wort „Omerta“ — die Bezeichnung für den Ehrenkodex der italienischen Mafia — auf seinem Arm tätowiert war.

Während man also in Deutschland zu verhindern versucht, dass sich tätowierte Gangmitglieder bei der Polizei einnisten, sind sie, wenn man zahlreichen Medienberichten glauben darf, in manchen Polizeidienststellen der USA schon lange etabliert. Dort haben Kongressmitglieder gerade eine Untersuchung von Behauptungen gefordert, denen zufolge Mitarbeiter des Los Angeles County Sheriffs Department (LASD) bandenmäßig organisiert seien. Ein Markenzeichen dieser Banden, denen zahlreiche Deputy Sheriffs angehören sollen, seien ihre markanten Tattoos.

Tod eines Teenagers

In einem Schreiben an das Justizministerium fordern die Kongressabgeordneten Jamie Raskin und Jimmy Gomez, „die Handlungen eines gewalttätigen Kontingents von Deputies“ innerhalb des LASD zu untersuchen, die „weiße suprematistische Ideologien befolgen, zu ‚kriminellen Banden‘ gehören und ‚aggressive Polizeitaktiken‘ praktizieren, die durch Rassismus motiviert sind“.

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