Flüchtlingslager auf griechischen Inseln: Die Angst vor dem Pull-Effekt


Die Lager könnten besser ausgestattet werden. Am Geld liegt es nicht. Deutsche Spitzenpolitiker sprechen sich für eine größere Aufnahme von Migranten und Flüchtlingen aus den griechischen Camps aus

Thomas Pany | TELEPOLIS

Aufnahme- und Identifikations-Zentrum Moria auf Lesbos. Bild (September 2020): Faktengebunden/CC BY-SA 4.0

Die Wasserversorgung eines Flüchtlingscamps auf der griechischen Insel Samos entpuppte sich als „politisches Problem“, so die Aussage des operativen Leiters des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) in einem internen Bericht vom März dieses Jahres.

Darin heißt es, dass die Hauptwasserleitung für ein neues Lager abgeklemmt wurde. Als dafür verantwortlich wird die Gemeindeverwaltung des Ortes Vathi genannt – „wegen Protesten der Bevölkerung gegen die Migrantencamps“. Im November letzten Jahres gab es Nachrichten über Proteste im überfüllten Lager in Vathy, es brach Feuer aus und Zelte wurden zerstört.

Im März 2020 verbrachten dann Spezialisten des THW drei Tage im Lager auf Samos, um „zu erkunden, wie die Wasserversorgung verbessert werden kann“, schreibt die Welt am Sonntag (leider mit Zahlschranke). Ihr liegt der interne THW-Bericht vor. Das Wasserprojekt sei bis heute nicht umgesetzt worden, ist in der WamS zu lesen. Dazu wird berichtet, dass von 310 Millionen Euro für Infrastrukturprojekte der EU nur 70 Millionen abgeflossen seien.

Mittel nicht „ausreichend genutzt“

„Nicht ausreichend genutzt“, heißt es dazu. Vorgebracht wird auch, dass 2,64 Millionen Euro seit 2016 aus EU-Töpfen für Unterbringung der Migranten und Asylverfahren aus EU-Töpfen überwiesen wurden. Das sieht angesichts des Zeitraums nicht wirklich nach viel Geld, aber der Vorwurf wird bekräftigt mit der Feststellung, dass aus Deutschland „mehrfach Millionenbeträge“ überwiesen wurden und Hilfe geschickt. Das kulminiert dann in der Frage: „Warum kamen diese Summen nicht ausreichend bei den 25.000 Migranten auf den fünf Ägais-Inseln an?“

Würde man diese Zahl durch die 27 Mitgliedsländer der EU teilen, so müsste jedes Land nicht einmal 1.000 Migranten aufnehmen. Diese Rechnung war heute in Nachrichten des Bayerischen Rundfunks zum Skandal der bitteren Bedingungen in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln zu hören hören.

Bekanntlich geht diese einfach gestaltete Rechnung politisch nicht auf, obwohl sich allein in Deutschland Politiker wie der CSU-Entwicklungsminister Gerd Müller, der nun seinen Rückzug aus der Bundespolitik bis Ende des Jahres angekündigt hat, SPD-Politiker, wie Scholz, Esken und Walter-Borjans, sowie Norbert Röttgen von der CDU sowie weit über 100 Kommunen und einzelne Bundesländer für eine größere Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten ausgesprochen haben.

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