„Brandstifter gehören nicht auch noch belohnt“


Nationales Coming out: Die Empörung über einen Meinungsbeitrag des Deutschlandfunks zu den Flüchtlingen in Moria ist berechtigt. Ein Kommentar

Peter Nowak | TELEPOLIS

Archivbild Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos. Foto: Wassilis Aswestopoulos

Im Sommer 2018 sorgte eine Debatte in der Wochenzeitung Die Zeit für Empörung, in der über die Seenotrettung diskutiert wurde. Auffallend war, dass vor allem der Beitrag der Kolumnistin Mariam Lau heftig kritisiert wurde, obwohl sie Positionen einnahm, die eigentlich von den Parteien rechts von den Grünen ähnlich vertreten wurden.

Wer mit dem Verweis auf Menschenrechte jede Sicherung der Grenzen zu verhindern versucht, wird am Ende denen in die Hände spielen, die gar kein Asylrecht mehr wollen.

Mariam Lau, Die Zeit

Merkwürdigerweise sorgen solche Sätze aus dem Mund von Politikern für wesentlich weniger Empörung, als wenn eine Journalistin oder ein Journalist sie formuliert. Aktuell entfacht ein Kommentar der Deutschlandfunk-Korrespondentin Silke Hasselmann einige Aufregung. Tatsächlich hat die Korrespondentin in wenigen Minuten alle Klischees zusammengefasst, die die deutschen Kleingärtner aller Parteien so von sich geben.

Da wird der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern vorgehalten, sie habe nicht das deutsche Volksempfinden befragt, bevor sie sich dazu bereit erklärt habe, Geflüchtete aus Moria aufzunehmen. Auch dass Merkel sich eines derartigen „Vor- und Übergehens“ schuldig gemacht habe, als sie vor fünf Jahren die Grenzen für Migranten nicht geschlossen hat, wird von Hasselmann angedeutet, angesprochen und gerügt.

Daran anschließend beklagt sie ein „moralisierendes Trommelfeuer mit erpresserischer Absicht“, wenn Grünen-Chef Habeck sich vor Weihnachten mit Kindern von Geflüchteten ablichten lässt oder vor der Ansteckung mit Corona in den engen Behausungen warnte. Da spricht es aus Hasselmann, als wären die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit oder das rechte Monatsmagazin Compact ihre tägliche Lektüre. Höhepunkt von Hasselmanns nationalem Coming Out war die rhetorische Frage:

Doch zumindest solange der begründete Verdacht im Raum steht, dass einige Lagerbewohner nicht nur die Löscharbeiten behindert, sondern die Feuer selbst gelegt haben, darf Deutschland niemanden von dort herholen. Auch keine unbegleiteten Minderjährigen. Wenn abgesehen von der immer schwierigen Frage, wer eigentlich wonach entscheidet, wer ausgewählt wird, stellt sich die Frage, welche Botschaften das in die Welt senden würde.*

Silke Hasselmann, Deutschlandfunk

Dabei war im Hörbeitrag und im Onlinetext ein Wort verändert worden:

* Wir haben den Begriff „Selektion“ im Kommentar ausgetauscht, der bedauerlicherweise NS-Konnotationen hervorgerufen hat, die von unserer Autorin in keinem Fall beabsichtigt waren.

Deutschlandfunk

Dieser Umgang ist symptomatisch. Die NS-Konnotationen sind schließlich durch den Austausch des Begriffs nicht verschwunden. Hasselmanns gesamter Text dürfte die Rechten aller Parteien zu der Überzeugung bringen, dass der von ihnen als Lügenpresse geschmähte Deutschlandfunk für die nationale Sache noch nicht verloren ist.

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