Die Taliban wissen nicht, wie Frieden geht


In Doha haben innerafghanische Friedensgespräche begonnen. Das ist ein Fortschritt. Doch die Taliban haben keine Vision von einem friedlichen Afghanistan.

Andreas Babst | Neue Zürcher Zeitung

Am Samstag, in einem Hotel in Doha, sassen sich die Taliban und die afghanische Regierung gegenüber, es war der Auftakt der Friedensgespräche. Sie sollen in den kommenden Tagen und Monaten einen Konflikt beenden, der mehr als 40 Jahre dauerte und in dem allein im vergangenen Jahrzehnt 33 000 Unbeteiligte ums Leben kamen. Die Verhandlungen sollen Frieden bringen, nur: Die Taliban wissen nicht, wie Frieden geht.

Der Verhandlungsführer der afghanischen Regierung, Abdullah Abdullah, betonte zu Beginn der Gespräche, was seine Seite in den Verhandlungen fordert: einen permanenten Waffenstillstand. Es ist sehr ungewiss, ob die Taliban darauf eingehen werden. Die Taliban bestehen aus Zehntausenden von Kämpfern, verstreut in Gruppen im ganzen ländlichen Afghanistan. Es sind Söhne, die ihre gefallenen Väter oder grossen Brüder rächen wollen. Der bewaffnete Kampf ist tief eingegraben ins Selbstverständnis der Taliban. Zwar verhandeln ihre Führer nun in Doha. Aber ihre Organisation bleibt primär eine militärische, keine politische. Ein Waffenstillstand mit der verhassten afghanischen Regierung lässt sich den Kämpfern nur schwer als Sieg verkaufen.

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