Als das Nicht-Christliche nicht menschlich war: Cancel Culture bigott


In der Annahme die Welt zu verbessern stürzen Kulturdenkmale, stehen kluge Köpfe im Rassismus Vorwurf. Machen wir ein Columbus-Denkmal einen Kopf kürzer, setzen Churchill mit einem eingefleischten Rassisten gleich, maßen wir uns an besser zu sein oder besser scheinen zu wollen. Vergangenheit können wir nicht ändern, wir können uns aber wohl mit ihr auseinandersetzen und wenn schon rigoros, dann richtig.

Erinnern wir uns, gehen wir ins Jahr 2007 zurück. Joseph Aloisius Ratzinger, unter dem Namen Benedikt XVI., absolutistisch regierender Kirchenfürst, Papst, unternahm eine Südamerika-Reise. Dabei verstieg sich der Ratzinger-Papst in die dumme, wie falsche Aussage, dass der Katholizismus die indigenen Ureinwohner der Amerikas gereinigt habe. Die Indianer hätten die Christianisierung still herbei gesehnt. An den Ufern des Atlantiks stehen, bewaffnet mit Spruchbändern, Wimpeln und kleinen Flaggen hießen die Indigenen die katholischen Ankömmlinge willkommen.

So die infantile Weltsicht des Vorstehers der katholischen Kirche, seinerzeit. Die Christianisierung der Amerikas durch die portugiesischen Könige, die katholischen Majestäten Spaniens war kreuzzugartig organisiert. Es ging um die Zerstörung von Identitäten, Kultur und sozialer Verhältnisse. Nicht christlich-katholisch hieß, nicht menschlich. Es ging um Menschenraub, die Eroberung von Land und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Die Indigenen waren dabei eher lästig und gehörten dezimiert, wenn nicht gar abgeschafft. Weltliche und religiöse Macht kooperierten in Eintracht. Die katholische Kirche, repräsentiert durch die Päpste Roms schuf die ideologischen Voraussetzungen der brutalen Eroberungen. Religiöse Institutionen organisierten, vollzogen, begünstigten und duldeten Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes.

1452 gab Papst Nickolas V. die Bulle Dum Diversas heraus. Der portugiesische König Alfonso V. wurde darin aufgefordert Muslime und Heiden zu reduzieren, andere Ungläubige eingeschlossen. Mittel zum Zweck war die Sklaverei. Dergestalt wurde der Westafrikanische Sklavenhandel organisiert. Also, Sklaverei, unentgeltliche Arbeit, gemeiner Besitz christlicher Herrschaft zur Reduzierung ganzer ethnischer Gruppen, bis hin zur physischen Vernichtung. Kommt uns bekannt vor? Finden wir perfektioniert in den Konzentrationslagern der Nazis wieder. Arbeit, Hunger, Krankheit, Qual als Werkzeuge des Mordes an Millionen von Menschen.

Drei Jahre später gab derselbe Papst erneut eine Bulle heraus, welche die Besitznahme von nicht-christlichem Land sanktionierte und zur Sklaverei bei der nicht-christlichen Bevölkerung ermutigte, insbesondere in Afrika und in der Neuen Welt. Mit dieser Bulle gab der Pontifex grünes Licht für die Eroberung, Unterwerfung, Auswahl und Ausbeutung von Muslimen, Heiden und aller anderen, Nicht-Christen. Alles im Namen Jesus Christus und nur zu einem Zweck, Profit.

Den Teilnehmern an den „Expeditionen“ der spanischen und portugiesischen Könige sicherte der Papst Ablass zu. Die Päpste Roms als „Herrscher der Welt“. Wer sich gegen die Eroberungspläne Portugals und Spaniens stellte drohte die Exkommunikation durch den Papst.

Inter caetera, die Bulle von Papst Alexander VI., von 1493 sanktionierte und ebnete den Weg für die Eroberung und Kolonisation der Amerikas durch Europa. Diese drei päpstlichen Orders öffneten die Schleusentore für alles, was nun folgen sollte, Krieg, Mord, Raub, Vergewaltigung, Plünderung, Entführung, Völkermord und Sklaverei von Millionen. Sie errichteten den Grundstock des Sklavenhandels im 15. und 16. Jahrhundert und bereiteten der kapitalistischen Welt, so wie wir sie heute kennen, die Basis.

Gehen wir nach Kalifornien.

Wenige Tage nach der Heiligsprechung des Missionars Junipero Serra (1713-1784), durch den amtierenden Papst aus Rom, wurde seine Grabstätte verwüstet. Eine Statue des Toten wurde gestürzt und der Grabstein mit Farbe beschmiert. Nebenbei bemerkt, von Gottesseite erfolgte keinerlei Reaktion, soviel zur Heiligkeit des Betroffenen.


Der römische Franz würdigte, während eines Gottesdienstes in Washington, die Leistungen des Pfaffen, nannte ihn einen vorbildlichen Missionar und Verteidiger der Rechte der Eingeborenen. An diesem Punkt beginnt die historische Ignoranz des Büttenredners aus Rom. Die Eingeborenen sind anderer Meinung.
Serra brachte ihnen eben nicht nur das Christentum, zu dem sie ohnehin keine Wahl hatten, vielmehr sorgte er dafür, dass die Kultur der Ureinwohner zerstört wurde. Brutal und tödlich waren die Verfahrensweisen gegen die Pomo-Inidaner. Sprache, Kleidung, Ernährung und Eheschließung, fortan bestimmten katholische Pfaffen das Leben der Ureinwohner. Wer flüchtete wurde durch die Armee eingefangen und gezwungen in der Missionsstation zu leben.

1769 lebten auf dem Gebiet des heutigen Kaliforniens rund 310.000 Ureinwohner, einhundert Jahre später, nach erfolgreicher Mission, waren es noch ungefähr 50.000. Mission accomplished.

Wer also heute über Sklaverei, Rassismus kulturhistorisch urteilt, ohne die Rolle der katholischen Kirche, ganz konkret die Rolle der Päpste einzubeziehen ist unredlich, bigott.

Die evangelische Kirche ist da nicht besser dran. In die katholisch vorgezeigten Wege konnten die Protestanten ungehindert, skrupellos eintreten. Sie machten sich die vorhandenen Strukturen des Sklavenhandels, der Ausbeutung zu nutze. Der Gipfel des Rassismus, Antijudaismus, Frauenfeindlichkeit ist Martin Luther. Der angebliche Bringer der Freiheit eine Frauenfeind und Judenhasser erster Klasse. Was evangelische Kirche und Politik nicht davon abgehalten haben eine Luther-Sause zu organisieren und Millionen von Euro zu versenken. Denken wir an 500 Jahre Reformation. Der Antijudaismus Luthers fand seinen Höhepunkt in Auschwitz, Katholik Hitler bis heute nicht exkommuniziert. Das Volk Gottes scheint vergessen zu haben, mit wem es da seine Mitgliedschaft teilt.

Kulturhistorische Kritik an den Geisteswissenschaften, im Sozialem und in den Wissenschaften muss, wenn sie ehrlich sein will in den historischen Kontext von Kirchen und weltlicher Macht gestellt werden. Kolumbus ließ Sklaven, die kein Gold fanden, die Hände abhacken, vielleicht sollte man einige Schätze des Vatikans nehmen und den Kindern dieser Sklaven und ermordeten Indigenen Satisfaktion erteilen zu können. Auch wenn die Verluste an Kultur, Wissenschaft und Sozialem irreversibel sind.