Pfeffer: Gräben in der Kirche sind vielleicht kaum zu überbrücken


Die einen wünschen sich radikale Veränderungen in der Kirche, die anderen wollen genau das Gegenteil. Im Interview spricht der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer über die Auseinandersetzungen in der Kirche und beim Synodalen Weg und erklärt auch, wo er den Kern der aktuellen Krise sieht.

Katharina Geiger | katholisch.de

Das Freiheitsdenken muss radikal in der Kirche Einzug halten, fordert der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer im Interview. Außerdem spricht er über die Situation der Flüchtlinge in Moria und darüber, was der Brief von Erzbischof Viganò mit den Corona-Demos in Berlin zu tun hat.

Frage: Es ist eine gute Woche her, dass im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ein Feuer ausgebrochen ist. In der Folge geht es den Menschen, denen es ohnehin schon schlecht ging, noch schlechter. Sie nennen es „ein beschämendes Drama“. Wie blicken Sie jetzt nach dieser Woche auf dieses Thema?

Pfeffer: Es ist nach wie vor eine „Schande“ für Europa, habe ich gesagt, und da glaube ich, das Zitat eines Politikers übernommen zu haben. Selbst nach einer Woche ist ja überhaupt nicht klar, was aus den Menschen dort wird und wie die Europäische Union dieses Flüchtlingsdrama irgendwie lösen will.

Der ständige Verweis auf eine europäische Lösung klingt für mich inzwischen in Deutschland, aber auch in einigen anderen Ländern, immer wieder als so eine Art Entschuldigung, so gut wie nichts zu tun. Und das Drama, was sich auf Moria jetzt ereignet hat, ist ja im Grunde ein Drama mit Ansage. Wenn man über Jahre die Menschen ihrem Schicksal überlässt, muss man sich nicht wundern, wenn es irgendwann zu einer Eskalation führt.

Frage: Was würden Sie sich wünschen, dass jetzt passiert, sagen wir heute noch?

Pfeffer: Ich glaube, was jetzt passieren muss, ist, dass die Menschen aus dieser Notlage erst einmal herauskommen. Wie auch immer. Ob man vor Ort jetzt wirklich vernünftige, gute Maßnahmen ergreift, sie zu versorgen, ist das eine. Oder ob sich tatsächlich auch eine größere Zahl von europäischen Ländern bereitfindet, sie aufzunehmen. Das allerdings alleine reicht natürlich nicht. Ich kann auch diejenigen verstehen, die sagen: Wenn man das tut, wird das ja dazu führen, dass dann demnächst wieder neue Flüchtlinge kommen. Es braucht also in der Tat einfach eine Gesamtidee, ein Gesamtkonzept, wie man mit der Problematik umgehen will, dass um Europa herum so viel Not und so viel Elend herrschen, dass die Menschen einfach nach Europa schauen und von uns mehr erwarten als das, was wir bislang tun.

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