Energiewende: Verheerende Auswirkungen für den Nahen Osten


„Peak demand“: BP geht davon aus, dass der Höhepunkt der Nachfrage nach Erdöl im günstigsten Fall 2025 erreicht wird, aber wahrscheinlich schon vorbei ist

Thomas Pany | TELEPOLIS

Bild: TP

Selbst im besten Szenario sei es bald vorbei mit dem Wachstum der Ölindustrie. Das kürzlich publizierte Strategiepapier des Ölkonzerns BP geht von drei Zukunftsmodellen für die nächsten dreißig Jahre aus. Im günstigsten Fall, überschrieben mit Business-as-usual erreicht die Nachfrage nach Öl im Jahr 2025 einen Höhepunkt, danach lässt sie langsam, aber stetig nach.

In den anderen beiden Szenarien – „papid“ und „net zero“ – hat die Öl-Nachfrage bereits ihren Höhepunkt erreicht und ist schon im Niedergang begriffen. Gerechnet wird mit einem Rückgang von 50 Prozent bis 2050 oder im Modell „net zero“ von 80 Prozent.

Auch wenn sich Experten erwartungsgemäß nicht über die Annahme eines peak demand einig sind, so ist BP damit nicht alleine. Die Ansicht würde mehr und mehr Mainstream, behauptet die Webseite energyfuse. Auch der Chef des Shell-Konzerns äußerte sich pessimistisch: „Die Erholung der Nachfrage wird eine lange Zeit dauern, wenn sie sich überhaupt erholt.“ Und selbst beim US-Ölriesen Exxon würde die Kapitalrendite, die von 2009 bis 2019, von 16 Prozent auf 4 Prozent gefallen ist, eine deutliche Sprache sprechen, auch wenn der Konzern zum Protagonisten eines überholten Wachstumsmodells gehöre.

BP sei der erste große Ölkonzern, der das Ende des Wachstums bei der Öl-Nachfrage verkünde, so die Energie-Webseite, die konstatiert, dass die BP-Aktien um 7 Prozent gestiegen seien, als der Konzern ankündigte, dass man die Öl- und Gasproduktion um 40 Prozent kürzen werde.

Die Nachricht über das BP-Strategiepapier interessiert nicht nur energie-politische Fachkreise, sondern auch die Nahost-Zirkel. Der Syrien-Spezialist Joshua Landis sieht die nächste große Krise aufkommen: „Das wird verheerende Auswirkungen für den Nahen Osten haben.“

Schon vor Monaten deuteten Berichte an, dass auf Saudi-Arabien Zeiten der Sparsamkeit zukommen würden, was das bisherige Rezept zur Erhaltung des inneren Friedens gefährde und auch außenpolitisch zu mehr Zurückhaltung rate, da teure Kriege wie im Jemen auf Dauer nicht zu finanzieren sind. Saudi-Arabiens Militärintervention begann Ende März 2015.

Die Verschuldung des Landes betrug 2014 knapp 12 Milliarden US-Dollar. Ende 2018 waren es laut Informationen der Weltbank 151 Milliarden US-Dollar und Ende 2019 mehr als 183 Milliarden US-Dollar.

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