Für dieses Leder müssen keine Tiere sterben


Veganes Lederimitat aus Pilzmyzel eignet sich für Taschen, Schuhe und Kleidung. Zugleich ist es leichter, umweltfreundlicher und kostengünstiger als das tierische Vorbild. Erste Produkte gibt es bereits.

Uta Neubauer | Neue Zürcher Zeitung

Das Material aus dem Bioreaktor sieht aus wie Leder und weist ähnliche Eigenschaften auf. Es wird aber nicht aus Tierhäuten, sondern aus Pilzmyzel gewonnen. Alexander Bismarck

Auf dem Weg in eine nachhaltige Wirtschaft müssen viele Produkte, Prozesse und Materialien überdacht werden. Dazu zählt auch Leder, bei dessen Herstellung zu viel Wasser und noch allzu oft giftige chromhaltige Gerbstoffe eingesetzt werden. Kunstleder schneide in Nachhaltigkeitsbewertungen zwar besser ab, wie Materialwissenschafter um Mitchell Jones und Alexander Bismarck von der Universität Wien jetzt in einem Artikel in der Fachzeitschrift «Nature Sustainability» berichten.1 Eine unbedenkliche Alternative ist das chemisch-synthetische Material dennoch nicht, da es aus Polyvinylchlorid (PVC), oder Polyurethan (PU) hergestellt wird – ein Produkt aus fossilen Rohstoffen also, das letztlich zum Plastikproblem beiträgt.

Für alle, die sowohl auf tierische Produkte als auch auf Kunststoffe verzichten wollen, aber die Optik und Haptik von Leder schätzen, gibt es ein lederähnliches Material aus Baumpilzen wie dem Zunderschwamm. Es fühle sich sehr weich an, ein bisschen wie Wildleder, sagt die Berliner Designerin Nina Fabert. Sie ist die Gründerin des Unternehmens Zvnder, das Portemonnaies, Uhrenarmbänder und mehr aus Zunderschwamm-Lappen fertigt. Die Designerin bezieht ihren Werkstoff in ungefähr DIN-A4-grossen Stücken aus Rumänien, wo der Baumpilz seit Generationen genutzt wird. Die Gewinnung des Lederersatzes klingt einfach, erfordert aber handwerkliches Können: Mit einem Beil wird der Pilz schonend vom Baum abgeschlagen, dann entfernt man seine harte Kruste, schneidet das weiche Innere in Scheiben, zieht diese von Hand in Form und trocknet sie.

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