Gold: Ein Streit um Pracht und Reduktion in der Kirche


Besonders in alten Kirchen wimmelt es vor Gold – und das hat nicht zuletzt theologische Gründe. Denn Gold stand für das Göttliche und wurde als Geschenk des Himmels betrachtet – erinnerte manche aber auch verdächtig an das goldene Kalb. Die Diskussion um das wertvolle Material hält bis heute an.

Christoph Paul Hartmann | katholisch.de

Bild: ©KNA

Es ist ein großes Rätsel um das Gold: Eigentlich ist es ein völlig nutzloses Metall, zu weich, um Werkzeug daraus zu machen, zu schwer, um es zu verbauen. Trotzdem übt diese gelbliche Substanz eine derart große Anziehungskraft auf Menschen aus, dass sie in allen Jahrhunderten sprichwörtlich dafür getötet haben. Schon die Inka und Azteken kannten Gold als Teil der religiösen Verehrung – und auch im Christentum spielt es eine ganz zentrale Rolle. Skulpturen, Reliquiengefäße, Monstranzen, Schreine und nicht zuletzt Kelche und Hostienschalen sind aus dem Element Au mit der Ordnungszahl 79, das Theorien zu Folge als Nebenprodukt einer Supernova entstanden ist.

Die christliche Bewertung des Goldes hängt unter anderem mit seiner Ästhetik zusammen: Durch die Reflexion des Lichts entsteht ein Glänzen und Schimmern, das schon frühe Kulturen an den Glanz der Sonne erinnert hat. Daher könnte auch der Name kommen. Der Bischof und Enzyklopädist Isidor von Sevilla (560-636) erklärt die lateinische Bezeichnung „aurum“ mit dem Verweis auf „aura“, was Licht oder Leuchten bedeutet. Zusammen mit seiner Seltenheit, der Beständigkeit – Gold rostet nicht – und dem großen Gewicht des Goldes – es ist etwa dreimal so schwer wie Gestein – lässt sich das Material theologisch und spirituell aufladen.

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