Nach seinem Team wurde Nawalny im Hotel in Tomsk vergiftet


Präsentiert wird ein Video über den Fund der Flasche im Hotelzimmer, die den „Ärzten in Deutschland“ übergeben worden sei, das Bundeswehrlabor habe auf ihr Nowitschok gefunden. Viele Frage bleiben

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die vom Nawalny-Team angeblich entdeckten Flaschen im Hotel in Tomsk. Bild: TP

Es war keine offizielle Nachricht, sondern Spiegel und Zeit berichteten mit Verweis auf nicht genannte Quellen, dass das Bundeswehrlabor an einer Wasserflasche Nowitschok-Spuren gefunden habe. Laut der Zeit wurde an den Händen von Nawalny und am Hals der Wasserflasche Nowitschok gefunden. Unklar blieb dabei, wie diese Wasserflasche nach Deutschland gekommen war und ob erst die Spuren auf der Flasche es ermöglichten, Nowitschok-Metabolite im Blut, im Urin oder an der Haut von Nawalny zu identifizieren. Das war den russischen Ärzten in Omsk und den Ärzten in der Charité offenbar nicht gelungen.

Gemäß dem Spiegel, der die russische Regierung bzw. russische Geheimdienste hinter der Vergiftung Nawalnys vermutet, sei es ein Fehler der Geheimdienste gewesen, dass die Flasche überhaupt nach Deutschland kommen konnte, weil sie den Giftanschlag bestätige oder eben erst einmal beweise. Vermutet worden war zuvor, dass Nawalny mit dem Tee, den er am Flughafen trank, vergiftet worden sein könnte.

Aber die Bundesregierung und die Ermittler hüllen sich in Schweigen darüber, ob Nawalny die Flasche mit im Flugzeug hatte oder ob sie sich an einem anderen Ort befand, wer sie gefunden und vor allem wie nach Deutschland gebracht hat, ohne sich und andere zu gefährden. Vermutet wurde, dass die Flasche von Navalnys Frau Julia und/oder Maria Pevchikh, die beide in den Rettungsflugzeug mit Nawalny nach Berlin flogen, übergeben worden sein könnten (Der Nebel um den Anschlag auf Nawalny verdichtet sich).

Jetzt hat Nawalny bzw. sein Team selbst die Aufmerksamkeit auf die Flasche gelenkt, die die deutschen Ermittler womöglich gerne im Hintergrund gehalten hätten. Auf der Flasche haben sich Nowitschok-Spuren vermutlich besser gehalten, als im Körper von Nawalny (Wie hat das Bundeswehrlabor die Nowitschok-Vergiftung nachgewiesen?). Die Frage ist, ob Nawalny den Hinweis auf die Flasche über ein Video auf seinem Instagram-Account in Absprache mit den deutschen Behörden gemacht hat. Vermutlich ja, angeblich sei die Flasche in dem Hotelzimmer in Tomsk gefunden worden, in dem sich Nawalny aufgehalten hat. Hätte er sich dort vergiftet, müsste das Nowitschok sehr langsam gewirkt haben (was wieder eine Parallele zu dem Skripal-Fall wäre, wo die Opfer erst einige Stunden nach ihrer mutmaßlichen Kontaminierung zusammengebrochen waren).

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