Von der Superspreaderin, die keine Superspreaderin war

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Coronakrise, Medienkrise: Im Fall Garmisch-Partenkirchen haben viele Journalisten die Anstandsregeln missachtet

Thomas Pany | TELEPOLIS

Symbolfoto: cottonbro/Pexels

„Superspreader (deutsch „Superverbreiter“) sind im epidemiologischen Kontext Infizierte, die eine ungewöhnlich hohe Zahl von Organismen mit einem bakteriellen oder viralen Krankheitserreger anstecken.“ (Wikipedia)

Die Stigmatisierung im Zusammenhang mit Covid-19 ist ein wenig besprochenes Thema. „Superspreader“ wäre ein Schlagwort dafür. Jemandem, der oder die absichtlich oder auch fahrlässig das Sars-CoV-2-Virus verbreitet, wird der Ruch, „kriminell“ zu sein, angeklebt; ein Schlag hinterrücks, der Zettel ist dran, ohne Beweise, auf Verdacht. Umso mehr wiegelt sich die Empörung über die verdächtige Person auf, wenn Geschichten dazu kommen, wonach sie ihrem persönlichen Vergnügen nachgegangen ist und also aus purer Lust und unverantwortlicher Ausschöpfung ihrer Freiheiten das Gemeinwesen gefährdet.

Genau diese Vorhaltungen wurden einer jungen Frau in Garmisch-Partenkirchen gemacht. Der Ort am südlichen Rand Deutschlands war plötzlich als Hotspot in den bundesweiten Schlagzeilen. Das lag einmal an den erhöhten Infektionszahlen und zu anderen an der skandalösen Geschichte, die dazu erzählt wurde, die eines unverantwortlichen, schier unglaublich Verhaltens nach dem Motto „Mein Fun ist mir wichtiger als eure Gesundheit“.

Es war von einer „Superspreaderin“ die Rede: einer jungen Amerikanerin, die sich trotz einer Infektion mit Sars-CoV-2 ins Nachtleben begab und dort eine Menge Nichtsahnender angesteckt haben sollte. Wer in der vergangenen Woche in Bayern per Radio über „Die Welt am Morgen“ informiert wurde, hörte den Innenminister Hermann erbost über den Fall reden und ein hohes Bußgeld fordern. Auch von Ministerpräsident Söder wurden ähnliche Ankündigungen laut.

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