Theologe Khorchide über die Gefahr des Politischen Islam: „Neue Wiener Dokumentationsstelle legt Finger in die Wunde“


Österreichs Regierung hat die Dokumentationsstelle Politischer Islam ins Leben gerufen. Sie soll die Strukturen der Fundamentalisten untersuchen und ihr Vorgehen analysieren. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide steht ihr vor.

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KNA: Warum gründet die österreichische Regierung eine Dokumentationsstelle gegen den Politischen Islam?

Mouhanad Khorchide (Islamwissenschaftler zukünftiger orsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Dokumentationsstelle Politischer Islam): Die Aufmerksamkeit in Europa galt lange fast ausschließlich dem islamistischen Terror oder offen extremistischen Gruppen wie den Salafisten.

Der legalistische Islamismus beziehungsweise Politische Islam wurde dagegen übersehen, weil er weniger gefährlich wirkt – aber gerade das macht ihn ja so gefährlich! Hinzu kommt, dass er viel größer und besser organisiert ist als etwa salafistische Vereine.

Österreich ist eines der ersten Länder in Europa, das die Bedrohung der freien Gesellschaft durch den Politischen Islam erkannt hat. Die ÖVP von Bundeskanzler Sebastian Kurz legt hier den Finger in eine Wunde und hat die Dokumentationsstelle im Koalitionsvertrag mit den Grünen verankert.

KNA: Können Sie den Begriff Politischer Islam näher definieren?

Khorchide: Es handelt sich um eine Ideologie, die den Islam nicht als spirituelle Angelegenheit des Einzelnen sieht, sondern als Herrschaftssystem, mit der Absicht, die Gesellschaft entsprechend solchen Werten umzugestalten, die im Widerspruch zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen.

Ihre Vertreter geben sich nach außen verfassungstreu. Sie verurteilen Gewalt, befürworten Integration und die Teilnahme der Muslime am gesellschaftlichen Leben. Aber nach innen predigen sie die Abgrenzung von den „Ungläubigen“ und ihren „unislamischen Werten“. Ihre politische Agenda läuft darauf hinaus, die Gesellschaft zu unterwandern, indem sie Einfluss in Parteien, Gremien, Stiftungen gewinnen. Oft bestehen enge Verbindungen in die Herkunftsländer.

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