Als die Römer Jerusalem zerstörten


66 nach Christus mündete ein Aufstand in Roms Unruhe-Provinz Judäa im jüdisch-römischen Krieg. Er endete im September 70 mit der vollständigen Zerstörung Jerusalems durch die Römer. Doch die Aura einer Heiligen Stadt konnten die Römer Jerusalem damit nicht nehmen.

Christian Berndt | Deutschlandfunk

Die Zerstörung des Tempels von Jerusalem auf einem Gemälde – doch auch ohne Tempel blieb die jüdische Religion lebendig (picture alliance)

„Da das Heer jetzt nichts mehr zu morden hatte, befahl der Caesar, die ganze Stadt und den Tempel zu schleifen. Alle übrigen Teile der Stadtmauer machten die Sieger völlig dem Erdboden gleich. Ein so trauriges Ende nahm die prächtige, weltberühmte Stadt Jerusalem.“

So berichtete der jüdische Historiker und Zeitzeuge Flavius Josephus über die vollständige Zerstörung Jerusalems durch die Römer im September des Jahres 70 n. Chr. Die Niederschlagung des jüdischen Aufstandes wirkte wie ein Akt der Vernichtung – vor allem die Schleifung des Tempels, der als zentrales Heiligtum identitätsstiftend für die Juden war, schien auf eine Auslöschung des Judentums zu zielen. Aber Josephus gab nicht den Römern, sondern radikalen Juden die Schuld an der Katastrophe. Er gehörte zur priesterlichen Aristokratie, die für eine Verständigung mit Rom eingetreten war. Dazu der Althistoriker Ernst Baltrusch:

„Die Zusammenarbeit war natürlich für die Eliten leichter als für die Unterschichten, weil die Römer als Teil ihrer Herrschaftspolitik immer gerne die Eliten miteinbezogen. Und über die Eliten versuchte man, die Herrschaft über die verschiedenen Regionen des Reiches auszuüben. Die jüdische Elite hat durchaus profitiert von der römischen Herrschaft, auch materiell.“

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