Vor 150 Jahren: Als in Rom die weltliche Macht der Päpste endete


1.116 Jahre waren die Päpste auch politische Herrscher über Mittelitalien. Vor 150 Jahren endete diese Macht, als Truppen des „Risorgimento“ in Rom einmarschierten. Die Ewige Stadt wurde Zentrum des neuen Königreichs Italien – und Pius IX. schmollte.

 Johannes Schidelko | katholisch.de

Es war die älteste Herrschaft in Europa, durch die Schenkung des Frankenkönigs Pippin vom Jahre 754 grundgelegt. Aber der Kirchenstaat war 1870 auf Rom mit Umland geschrumpft – und galt als eines der rückständigsten Gebiete Europas: chronisch defizitär, von Frankreich abhängig und weitgehend reformresistent. Und er stand dem Risorgimento im Wege. Diese Einheitsbewegung wollte ab den 1830er Jahren Italien mit Diplomatie, militärischer Gewalt und revolutionären Aktionen als politische Macht auf der ganzen Apennin-Halbinsel etablieren. Der Papst lehnte einen Verzicht auf den Kirchenstaat ab.

Ein enges Zeitfenster für eine Lösung ergab sich mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der verheerenden Niederlage von Sedan Anfang September 1870. Als Frankreich seine päpstlichen Schutztruppen abzog, beschloss das italienische Parlament die Okkupation des Kirchenstaates. Pius IX. konnte sich nur noch auf 13.000 Freiwillige unter dem badischen General Hermann Kanzler stützen. Dagegen kommandierte der königliche General Alessandro Cadorna 50.000 Mann.

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