Die Corona-Krise. Die Linke. Und die Sterblichkeit


Auch wenn es eine gefühlte Ewigkeit ist, liegen gerade einmal sechs Monate hinter uns, die uns in eine „neue“ Zeit katapuliert haben, mit Begriffen wie: Corona, COVID-19, Aerosole, Lockdown bis hin zu (Über-)Sterblichkeitsraten und Abstandsregeln.

Wolf Wetzel | TELEPOLIS

Stuttgart. Foto: Marcel Strauß/unsplash

Auch wenn man wenig oder viel zu wenig über COVID-19 weiß, werden mit Verweis auf COVID-19 ganz einschneidende Maßnahmen begründet, die Grund-und Schutzrechte einschränken bzw. außer Kraft setzen, wie es in der Bundesrepublik noch nicht – in dem Maße – der Fall war.

Im ersten Teil geht es darum, den Gründen nachzugehen, die Gegner dieser Maßnahmen anführen, dagegen zu protestieren. Halten sie dem Vorwurf stand, sie hätten nur pure „Verschwörungstheorien“ anzubieten? Und haben die Gegner der „Corona-Leugner“ eine eigene Analyse der gegenwärtigen Lage, die über die Einhaltung der Corona-Maßnahmen hinausweist?

Der zweite Teil versucht den Blick auf diesen Ausnahmezustand zu weiten, indem er ihn mit anderen vergleicht. Dazu geht der Beitrag bis ins Jahr 1968 zurück. Gibt es eine Logik, eine Handschrift für ausgerufene Notstände? Kann man anhand dieser Beispiele belegen, dass die Angst vor XY (COVID-19, Kommunismus, Islamismus) vor allem ein Klima erzeugen soll, das Maßnahmen erlaubt, für deren Akzeptanz man unfassbare Angst braucht?

Wenn man an die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen denkt, dann betonen die Teilnehmer selbst die Vielfalt und die Verschiedenheit der Anliegen, der Motive und politischen Visionen, während die am Rand Stehenden vor allem die Neonazis, Reichsbürger und Identitären zählen … und den großen Rest bestenfalls für liebenswürdige Spinner halten.

Wenn ich an die zahlreichen Bewegungen der letzten 40 Jahre zurückdenke (an die Friedensbewegung der 1980er Jahre, die Anti-Atom-Bewegung, die Startbahnbewegung am Frankfurter Flughafen) dann könnte man ähnliche Charakterisierungen – gerade am Anfang – vornehmen. Bewegungen schöpfen ihre Kraft und Attraktivität aus der Heterogenität und ihre Dynamik aus der Existenz dieser aufeinanderprallenden Widersprüche. Ich kann mich noch bestens an unsere sehr zurückhaltende Einstellung zu „Sitzblockaden“ vor US-Militärbasen erinnern, an die „Becarel-Inis“ als Antwort auf Tschernobyl 1987, an den weit verbreiteten und von uns belächelten Glauben, dass man „die Politiker“ nur mit unseren besseren Argumenten überzeugen müsse.

Bei aller Häme und Kritik: Wir standen dabei nicht am Rand, sondern haben uns mit diesem Widerspruch eingemischt, anstatt das Homeoffice damit zu politisieren.

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