Experte: Diese Folgen hätte ein Ende des Vatikan-Abkommens mit China


Das Abkommen zwischen China und dem Vatikan läuft am 22. September aus. Trotz aller Absichtsbekundungen ist bislang nicht sicher, ob es verlängert wird. China-Experte Pater Martin Welling spricht über positive Entwicklungen, Enttäuschungen – und mögliche Konsequenzen einer Nicht-Verlängerung.

 Sabine Kleyboldt | katholisch.de

Am 22. September 2018 wurde die Unterzeichnung der zunächst auf zwei Jahre befristeten Vereinbarung zwischen dem Vatikan und China bekanntgegeben. Was haben die vergangenen zwei Jahre gebracht für die Katholiken in China? Und wie geht es weiter? Der Direktor des China-Zentrums in Sankt Augustin bei Bonn, Pater Martin Welling, gibt im Interview seine Einschätzung.

Frage: Pater Welling, was hat das Abkommen den Katholiken in China bisher gebracht?

Welling: Seit September 2018 wurden bisher zwei Bischöfe mit päpstlicher und staatlicher Zustimmung geweiht und fünf Untergrundbischöfe staatlich anerkannt, ein weiterer alter Bischof wurde anerkannt und zugleich emeritiert. Allerdings ist keiner von ihnen vollständig auf der Grundlage der „vorläufigen Vereinbarung“, bei der es ja um die Auswahl und Ernennung von Bischöfen sowohl vom Vatikan als auch von China ging, eingesetzt worden.

Auch hatte man gehofft, es würden zügig neue Kandidaten für die etwa 40 vakanten Diözesen eingesetzt werden. Das ist bisher nur in zwei Fällen geschehen. Die Gründe dafür sind uns nicht bekannt, aber es wird definitiv als eine Enttäuschung empfunden.

Frage: Gab es auch Besonderheiten auf weltkirchlicher Ebene durch das Abkommen?

Welling: Die Teilnahme von zwei chinesischen Bischöfen an der Bischofssynode über die Jugend ist ein kirchengeschichtlich wichtiges Ereignis. Von vielen wurde es wohl zu Recht begrüßt, im Untergrund allerdings konnten viele nicht verstehen, dass einer der beiden Bischöfe, der kurz davor noch „illegal“ war, so zeitnah als Vertreter der Kirche Chinas in die Bischofssynode zum Thema Jugendpastoral eingeladen wurde, während der Jugend Chinas in vielen Provinzen der Zugang zu Religion verwehrt wird.

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