Warum preußische Katholiken weniger extrem wählen


Sind Katholiken immun gegen Rechtspopulismus? Das könnte man im katholischen Münster denken – nirgendwo sonst wählen so wenige Menschen AfD. In Bayern wählen aber auch Katholiken rechts. Woran liegt das? Der Zürcher Politikwissenschaftler Lukas Haffert sieht den Grund in Preußen.

Felix Neumann | katholisch.de

In Münster fährt die AfD regelmäßig ihre bundesweit schlechtesten Ergebnisse ein – die Gründe könnten in der Vergangenheit liegen: Im 19. Jahrhundert wurden Katholiken im „Kulturkampf“ in Preußen unterdrückt – das hat auch heute noch Auswirkungen auf die Politik, hat der Zürcher Politikwissenschaftler Lukas Haffert herausgefunden. Er vergleicht historische Daten mit heutigen Wahlergebnissen und kommt zu einem überraschenden Schluss: Katholiken wählen weniger AfD – aber nur in den ehemals preußischen Gebieten. Seine Studie „The long-term effects of oppression: Prussia, Political Catholicism and the Alternative für Deutschland“ (als Preprint veröffentlicht im August 2020) zeichnet nach, wie historische Unterdrückungserfahrungen mehr als ein Jahrhundert danach noch Wirkung zeigen – und warum die AfD in Münster auf keinen braunen Zweig kommt.

Frage: Herr Haffert, bisher haben sich die Katholiken in Deutschland viel darauf eingebildet, dass sie im Dritten Reich und in der DDR so widerständig waren. Können sie nach Ihren Forschungen immer noch stolz darauf sein?

Haffert: Vielleicht nicht alle, aber der Effekt, den man für die dreißiger Jahre  sehr gut kennt, ist immer noch da. Nur eben nicht mehr in ganz Deutschland.

Frage: Wo findet man diesen Effekt heute noch, dass Katholiken weniger extrem wählen?

Haffert: Man könnte das stark verkürzt so beschreiben: Wo Karneval stark ist, ist die AfD schwach. Das liegt daran, dass die meisten Karnevalshochburgen in den katholischen Gebieten des früheren Preußen liegen.

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