Friedrich Merz: Eine Blase voller Ressentiments


Ob er sich einen schwulen Kanzler vorstellen könne? Mit seiner Antwort auf diese Frage lässt der Kandidat für den CDU-Parteivorsitz tief blicken: Offenbar bewegt er sich in einem Umfeld, das im vergangenen Jahrhundert stecken geblieben ist.

Robert Roßmann | Süddeutsche Zeitung

Friedrich Merz im September 2020 bei einem Auftritt der Jungen Union Niedersachsen
(Foto: dpa)

Friedrich Merz gehört zu der kleinen Gruppe von Politikern, die präzise und klar reden. Wer ihm zuhört, weiß sofort, woran er ist. In einem Metier, in dem das viele anders halten, ist diese Eigenschaft zunächst einmal erfrischend. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass man besonders ernst nehmen muss, was Friedrich Merz sagt: Es ist nicht einfach so dahingeplappert.

Auf die Frage, ob er Vorbehalte gegen einen schwulen Bundeskanzler hätte, antwortete Merz jetzt zwar „Nein“, die sexuelle Orientierung sei Privatsache. Doch dann schob er die Einschränkung hinterher: „Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft“.

Offenbar lebt Merz, immerhin Kandidat für den CDU-Vorsitz, immer noch mit üblen Ressentiments. Bei der Frage nach einem heterosexuellen Kanzler würde er sicher nicht auf die Idee kommen, ungefragt einen Pädophilie-Vorbehalt in den Raum zu stellen.

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