Michael Diener hat Haltung verändert: Ja zu Segnung homosexueller Paare


Leidenschaftlich, fromm und offenherzig – Michael Diener, seit kurzem nicht mehr Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbands, will weiter am Profil eines modernen Pietismus feilen. 2015 war er erster Spitzenvertreter der evangelikalen Bewegung im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dann verärgerte er einige Pietisten und Evangelikale mit einem Interview, in dem er eine liberale Haltung zur Homosexualität vertrat. Michael Diener im epd-Gespräch über Entscheidungen, die das Leben prägen, und darüber, dass er nicht immer der Alte bleiben will.

Franziska Hein | evangelisch.de

epd: Sie sind seit wenigen Wochen im Sabbatjahr. Wofür haben Sie jetzt mehr Zeit?

Michael Diener: Reisen, Zeit für Gespräch, Lesen, Atem holen, Orientieren. Ich bin jetzt 58 Jahre alt. Wenn mein Sabbatjahr zu Ende ist, bin ich wohl noch etwa acht Jahre berufstätig. Deswegen war es mir wichtig, jetzt noch einmal innezuhalten. Ich war Pfarrer, Dekan, Vorsitzender eines freien Werkes und hab mich ehrenamtlich stark engagiert. Was jetzt kommen soll, weiß ich noch nicht.

Erst hieß es, Sie würden 2021 noch einmal zur Wahl als Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbands zur Verfügung stehen. Wie kam es, dass Sie doch nicht erneut kandidieren?

Diener: Im Nachhinein muss ich sagen, ich hätte mich von Anfang an so entscheiden sollen. Ich habe gerade von meiner Dankbarkeit gesprochen. Aber es gab auch immer wieder Auseinandersetzungen. Der Gnadauer Vorstand hat mir vergangenen Sommer signalisiert, dass ich noch mal antreten soll. Was dann an vereinzelten kritischen Reaktionen auf die Ankündigung meiner erneuten Kandidatur folgte, war in der Art und Weise nicht hilfreich oder geschwisterlich und ließ erwarten, dass ich zu viel Kraft für die interne Kommunikation brauchen würde. Und daher habe ich doch auf die erneute Kandidatur verzichtet. Dazu kommt: Ich habe mich im Laufe der elf Jahre verändert. Manche finden das schwierig. Ich finde das wichtig. Der Satz „Du bist ganz der Alte“ hat für mich etwas Furchterregendes. Ich möchte mich verändern!

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