Sars-CoV-2: „sehr überraschende“ Erkenntnisse

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Bei einer Studie in Österreich waren bei einem Drittel der ehemals Infizierten keine Antikörper nachweisbar

Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Das Festspielhaus in Reichenau an der Rax. Foto: Festspiele Reichenau. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das niederösterreichische Reichenau an der Rax ist ein Kurort mit gut 2.500 Einwohnern. Mit 70 Covid-19-Erkrankten und etwa 260 Quarantäneanordnungen war er – gemessen an dieser Einwohnerzahl – im Frühjahr einer der am schlimmsten von der Sars-CoV-2-Pandemie betroffenen Orte. Deshalb führte man hier im Sommer eine Sars-CoV-2-Antikörperstudie mit 1.824 Teilnehmern durch, deren Ergebnisse die niederösterreichische Landessanitätsdirektorin Irmgard Lechner gestern in St. Pölten vorstellte – und zwar an der freien Luft, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Zusammenhang mit Verlaufsschwere?

Ein sehr bemerkenswertes Ergebnis ist, dass unter den 49 Teilnehmern, die vor Beginn der Studie Sars-CoV-2-positiv getestet wurden, lediglich 35 in nachweisbarer Menge Antikörper im Blut hatten. Beim restlichen Drittel der Positivgetesteten war das nicht der Fall. Woran das liegen könnte, darauf deutet eine statistische Auffälligkeit hin: Die ehemals Infizierten ohne Antikörper kommen nämlich aus der Gruppe der 15- bis 40-Jährigen. Für Lechner drängt sich hier der Verdacht eines Zusammenhangs mit den häufiger nicht sehr schweren oder gar nicht spürbaren Symptomen bei jüngeren Menschen auf. Unter den Personen, die vorher Sars-CoV-2-positiv getestet wurden, hatten zwölf Prozent keine Symptome bemerkt – aber unter denen ohne Antikörpernachweis 65.

Ein weiteres Ergebnis, das Lechner ebenfalls als überraschend wertet, ist die Erkenntnis, dass die vorher auf 2,8 Prozent der Einwohner hochgerechnete Durchseuchungsrate in Wirklichkeit bei etwa sechseinhalb Prozent liegt. Über die Hälfte davon spürte die Infektion gar nicht. Der Landessanitätsdirektorin zufolge hätte die damals von ihren Kritikern geforderte Komplettquarantäne für die Ortschaft bei so ein er Durchseuchungsrate „keinen Sinn gemacht“ (sic), weshalb sich die Ermittlung konkreter Kontaktpersonen und die begrenzten Quarantänen im Nachhinein als richtig erwiesen hätten.

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