Ayaan Hirsi Ali: In Amerika sind säkulare Fundamentalisten auf dem Vormarsch


Wegen ihrer scharfen Kritik am Islam geriet Ayaan Hirsi Ali ins Visier muslimischer Fundamentalisten. In den USA glaubte sie Rede- und Gedankenfreiheit zu finden; aber mittlerweile macht sie dort bei der illiberalen Linken Ähnlichkeiten mit den Islamisten aus.

Ayaan Hirsi Ali | Neue Zürcher Zeitung

Solche Graffiti fanden sich früher auf den Mauern Teherans – heute liest man sie in den USA selbst. Die Aufnahme entstand im Juni in Seattle. David Ryder/Getty

Der 11. September 2001 machte aus vielen Amerikanern Helden. Die grössten unter ihnen waren die Passagiere und die Crew von Flug 93. Sie durchkreuzten nicht nur unter Einsatz ihres Lebens den Plan von al-Kaida, das Weisse Haus direkt zu attackieren, sondern sie stehen für das Credo, mit dem Patrick Henry 1775 die Bewohner Virginias zur Teilnahme am Unabhängigkeitskrieg aufrief: «Gebt mir Freiheit, oder gebt mir den Tod!»

Haben diese Worte im Amerika von 2020 noch eine Bedeutung? Zwei Jahrzehnte lang habe ich gegen den fanatischen Illiberalismus jener islamistischen Strömungen gekämpft, aus denen al-Kaida entstanden ist. Ich brach mit meiner somalischen Familie und letztlich auch mit ihrem Glauben, weil ich der Überzeugung war, dass die Freiheit des Menschen, nicht etwa eine veraltete Lehre, sakrosankt sein sollte.

Redefreiheit unter Beschuss

So gnadenlos sind die Befürworter der Scharia, dass sie mir wiederholt mit dem Tod drohten. Aber ich tröstete mich stets mit dem Gedanken, dass in den Vereinigten Staaten die Gewissens- und die Redefreiheit über allen Glaubensbekenntnissen stehen. Nicht zuletzt aus diesem Grund entschied ich mich, dort zu leben, und nahm 2013 die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

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