Opfervertreter Katsch über Rückschläge in der Aufarbeitung: „Kompliziert – das lasse ich nach zehn Jahren nicht gelten“


Vor einem Jahr lagen in Fulda konkrete Empfehlungen zur Entschädigung von Missbrauchsopfern auf dem Tisch – getan habe sich nichts, so Matthias Katsch. An den Rückschlägen im Erzbistum Köln sei Erzbischof Stefan Heße nicht unbeteiligt.

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Ballons erinnern vor dem Fuldaer Dom an die Opfer des Missbrauchs in der katholischen Kirche © Ingo Brüggenjürgen (DR)

DOMRADIO.DE: Sie haben hier mit Ihren Mitstreitern eine ganze Reihe von weißen Ballons aufgehängt. Warum?

Matthias Katsch (Sprecher der Opferinitiative Eckiger Tisch): Diese Ballons – 50 an der Zahl – repräsentieren die 5.089 bekannten und dokumentierten Fälle sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Kleriker der katholischen Kirche. Wir wollen mit dieser Aktion an diese Opfer erinnern, die heute nicht alle hier sein können. Sie werden bemerken: Dazwischen sind auch einige schwarze Ballons. Die erinnern an diejenigen von uns, die nicht mehr dabei sind, die in der Zwischenzeit schon verstorben sind, die es nicht geschafft haben. Und der Raum zwischen den Ballons symbolisiert letztlich all diejenigen Opfer, die wir bisher nicht kennen, die unbekannt geblieben sind, weil die Vertuschung funktioniert hat und ihr Fall nicht aufgedeckt worden ist.

Wir mahnen mit dieser Aktion die Bischöfe, die Opfer nicht zu vergessen und den Weg weiterzugehen, den sie im letzten Jahr eingeschlagen haben: Nämlich das Gespräch über Empfehlungen für eine angemessene Entschädigung mit den Opfern zu suchen und nicht zu versuchen, in alter böser Tradition von oben herab den Betroffenen eine Regelung überzustülpen, statt diese Empfehlungen zur Grundlage von Gesprächen zu machen.

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