Österreich: Agententhriller mit vielen Fragen


Ein Ex-Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes behauptet, er habe in Österreich Anschläge ausführen sollen. Angebliches Ziel war demnach auch eine kurdischstämmige Wissenschaftlerin.

Cathrin Kahlweit | Süddeutsche Zeitung

Ein Polizeiwagen steht am Stephansplatz in der Wiener Innenstadt. (Foto: Helmut Fohringer/dpa)

Das österreichische Bundesamt für Verfassungsschutz untersucht derzeit einen seltsamen Agententhriller, der das Zeug zu einer größeren Affäre hat. Offenbar wird dem Anfangsverdacht der Staatsanwaltschaft nachgegangen, dass ein pensionierter Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes MIT, der sich seit einigen Monaten in Österreich aufhält, einen Anschlag auf die kurdischstämmige Wissenschaftlerin Berivan Aslan geplant habe. In einer zweiten Vernehmung soll der Mann dann weitere Zielpersonen genannt haben -, darunter den ehemaligen Nationalratsabgeordneten Peter Pilz sowie einen ehemaligen Grünen und einen SPÖ-Politiker.

Der Mann, der von der Staatsanwaltschaft als Feyyaz Ö. geführt wird, hatte sich selbst beim Landesamt für Verfassungsschutz in Wien gemeldet und ausgesagt, er sei von einem Kontaktmann in Belgrad angeheuert worden, um einen Anschlag auf Aslan auszuüben. In seiner zweiten Vernehmung sprach der Türke dann von mehreren geplanten Anschlägen, insgesamt wisse er von vier Zielpersonen; mehrere Agenten seien „in die Sache involviert“. Aslan hatte in der Vergangenheit, ebenso wie Pilz, mehrmals vor „Aktivitäten türkischer Spionagenetzwerke“ in Österreich gewarnt. Ankara hat diese Vorwürfe immer zurückgewiesen.

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